Monthly Archives: September 2007

I love Annie!

Annie and Beth

Am Samstag hatte ich das Vergnügen, die Göttin der sexuellen Befreiung höchstpersönlich kennen zu lernen: Annie Sprinkle. Annie führte ihre neue Show LOVE ART LAB in London auf, zusammen mit ihrer Frau Beth Stevens.

Annie war immer schon absolut furchtlos darin, ihre intimsten Erfahrungen und geheimsten Gedanken offen mitzuteilen. Aber dieses Mal war ihre Aufführung nicht nur über Sex, sondern auch über Liebe und Tod. Sex, Liebe, Tod – die ewigen Themen, die alle unsere Leben berühren – ob uns das gefällt oder nicht.

Nach Jahren als bisexuelle Prostituierte, Pornostar, Fotografin, Filmemacherin und Darstellerin, hatte Annie ihr Coming Out als Lesbe. Sie verliebte sich in Beth Stevens, eine Akademikerin und Künstlerin. Sie waren ganz verrückt nacheinander und verliebten sich aus tiefstem Herzen, sodass sie sich entschlossen, sich zu binden und zu heiraten. Das war in der Lesben- und Schwulenszene kein beliebter Schritt – viele finden immer noch, dass Annie den konservativen Familienwerten nachgegeben hat und die alternativen Lebensstile verrät. Annie und Beth gaben ihre Schwüre vor uns ab – sie gelobten, sich gegenseitig zu unterstützen und der anderen die nötigen Freiheiten zu geben: eine kraftvolle Kombination aus Zusammenhalt und Loslassen … Ihre tiefe Hingabe machte den Eindruck einer Beziehung, die sie beide stark macht und in der sie sogar noch mehr sie selbst sein können als sie es alleine sein könnten. Es war aber nicht alles eitel Sonnenschein für Annie und Beth seit sie vor 3 Jahren geheiratet haben.

Annie and Petra

Eine besonders berührende Szene der Show war, als Annie von Beth ihre Brüste massiert bekam und darin schwelgte, wie viel Vergnügen ihre gigantischen echten Brüste tausenden von Menschen und natürlich ihr selbst bereitet haben. Sie spielten den Moment nach, als Beth einen Knoten in Annies Brust gefunden hatte. Annie, die Göttin des sexuellen Vergnügens, hat Krebs.

Als lebhafte, positive und kreative Person, die sie ist, verwandelte Annie ihre Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie in eine Kunst-Performance. Sie und Beth gingen in ausgefallenen Kleidern zur Chemotherapie und projizierten ihre flamboyantesten Looks während der Show mit einen Live-Kommentar im Laufsteg-Stil. Als Annies Haare ausfielen, rasierten sie sich gegenseitig die Köpfe. Annie sagte „Das ist so un-sexy“ und nahm dann ihre Perücke ab – statt ihres Markenzeichens, der kastanienbraune Mähne, war dort nur ein Kurzhaarschnitt.

Annie ist ein einzigartiger Star in einer Szene, in der sich alles ums Aussehen dreht. Sie hat sich der Eitelkeit abgeschworen und erlaubt sich, verletzlich zu sein. Im Kern ihrer Furchtlosigkeit und Ehrlichkeit liegt Schönheit. Gefühl statt Schauspiel – selbst im Schmerz und in der Traurigkeit … Es hat mich seltsam berührt, weil ich in der Vergangenheit auch einen Knoten in meiner Brust hatte und selbst die albtraumhaften Gedanken durchlebt habe. Es war kein Krebs, daher musste ich nicht das durchmachen, was Annie überleben musste. Aber die Angst vor Krebs ist für viele Frauen sehr real. Deshalb ist es für viele Frauen eine bestärkende Erfahrung, Annies Kampf ums Überleben zu sehen. Den Krebs zu besiegen hat Annie stärker gemacht als je zuvor. Stark und voller positiver Energie, die jede Negativität zu übertrumpfen scheint.

Am Ende ihrer Show sangen Beth und Annie „What the world needs now is love, sweet love …” und wir sangen alle mit. Es war ein magischer Moment von ungenierter schnulziger Glücklichkeit und ein Zeugnis über die „Kraft der Liebe“.

Sex ist großartig, Liebe ist auch großartig, und wenn du beides zusammen hast – kann es umwerfend sein und dein Leben verändern.

Nach der Show konnte ich Annie und Beth eine Geschenktüte überreichen, gefüllt mit der “Female Fantasies”-DVD (ich hoffe, sie schauen sie an und mögen sie), Lush Seife, Champagnertrüffeln und einer Flasche Sekt. Es war meine Art, Annie „Danke!“ dafür zu sagen, dass sie den Weg für Frauen wie mich geebnet hat, die an die Freiheit der sexuellen Selbstdarstellung und die Kraft der weiblichen Sexualität glauben. Annie sagte mal: „Die Antwort auf wirklich schlechte Pornos ist nicht keine Pornos, sondern wirklich gute Pornos zu machen!“ Und sie hat Recht. Es geht um die Auswahl. Das ist die Würze, die den Sex interessant und aufregend erhält. Die Antwort auf sexistische Pornos ist nicht keine Pornos, sondern feministische Pornos.

Posted in Events, Personal | Hinterlasse einen Kommentar

Natural Beauty

Emilia, Petra and Croft

Diesen Nachmittag habe ich mich endlich mal wieder mit Emilia getroffen, die in zweien meiner Filme mitgespielt hat und kürzlich einen kleinen Jungen namens Croft bekommen hat. Emilie sieht nun absolut umwerfend aus: strahlende Haut, ein breites Lächeln und große, wunderschöne Brüste. Sie ist zu einer umwerfend schönen Frau erblüht, und ihre natürliche Schönheit ist perfekt. Sie fragte mich, ob sie sich für den Film die Haare blond färben solle, weil es seit ihrer Schwangerschaft recht rot geworden ist, und ich sagte „Auf gar keinen Fall! Bleib wie du bist. Du bist schön“. Obwohl Emilia zur Zeit als Mutter des kleinen Croft voll ausgelastet ist, freut sie sich auf unseren Dreh im November. Sie ist bereit für eine große, sinnliche Spielstunde – und ich bin mir sicher, dass sie die, wie immer, richtig genießen wird.

Posted in Personal | Hinterlasse einen Kommentar

German Wings

Angel Shoot

Heute filmten wir, allen Widrigkeiten zum Trotz, die Engel-Szene. Phil aus Deutschland kam zu meiner Rettung nachdem Cicciolino sich in letzter Minute aus dem Dreh zurückgezogen hat. Phil flog extra her und hat sogar ein lukratives Foto-Shooting abgesagt, um mir zu helfen. Ich weiß gar nicht, wie ich ihm für diesen Einsatz für das Projekt und seine spontane Unterstützung danken kann.

Das Wetter war perfekt: ein sonniger Tag, der einen wunderschönen Sonnenuntergang versprach. Wir drehten eine sehr langsame, sinnliche Szene mit umwerfenden Bildern. Phil und Vanessa sahen hinreißend zusammen aus – er als Adonis in Engelsflügeln und sie als zierliche Schönheit.

Das einzige Problem war, dass der Sonnenuntergang zu früh kam und ich vom Multitasking erschlagen wurde – manchmal bleibt mir einfach nicht genug Zeit, um mich um alles zu kümmern: Regie führen, Kameraarbeit und Setfotos, besonders, wenn die Uhr tickt. Ich wollte immer mit einem minimal kleinen Team arbeiten, um den Set intim zu halten, überlege aber ernsthaft, jemanden für die Kamera einzustellen, damit ich mich auf das Regie führen und die Setfotografie konzentrieren kann. Es wird schwer sein, die richtige Person zu finden: jemanden mit einem guten Auge, unberührt von dem Sex und in der Lage, sich mit dem ganzen Team auf eine nicht wertende, unterstützende Art zu verstehen.

Ich suche außerdem einen Runner, der mir während der nächsten Drehs helfen kann und dabei Produktionserfahrung sammelt. Ich schätze, es ist an der Zeit, das Team zu verstärken, weil ich bei sieben DarstellerInnen, wie in der jetzigen Gruppe, einfach nicht alles alleine machen kann!

Posted in Film Production | Hinterlasse einen Kommentar

Nightmares

Ich erwachte aus Albträumen. Albträume über einen Hagelsturm während des Engel-Drehs auf dem Dach. Albträume, dass ich einen Flug für einen Darsteller zu einem falschen Ziel gebucht hatte. Albträume, dass einzelne Drehs und vielleicht sogar die gesamte Produktion des neuen Films schief laufen könnten. Ich habe außerdem eine blöde Erkältung und bin vor lauter Sorge um diesen Film ganz krank. Bis jetzt gab es schon so viele Komplikationen, und es sieht so aus, als ob der neue Film wegen der Reisekosten und Drehort-Gebühren doppelt so viel wie „Female Fantasies“ zu kosten wird.

Suzanne N. rief an. Sie hat vor einem Jahr zwei erotische Lehrfilme gedreht, die „Modern Loving“ heißen. Sie sagte mir, dass das Casting für ihre Filme das schwerste gewesen sei, was sie je tun musste. Wir tauschten unsere Erzählungen über unverlässliche DarstellerInnen aus. Leute, die bei einem Porno-Dreh auftauchen und dann nicht bereit sind, die Einverständniserklärung zu unterzeichnen. Leute, die annehmen, dass sie mit dem gesamten Team Sex haben werden. Leute, die schlichtweg über ihr Aussehen lügen. Suzanne empfahl mir zwei sehr sexy Typen, die sie kennt und die vielleicht Interesse haben könnten, mit mir zu arbeiten, und ich habe ihnen gleich eine sms geschrieben. Daumen drücken. Sie empfahl mir außerdem noch eine professionelle Porno-Casting-Webseite. Einige der Männer darauf sehen wirklich sehr gut aus, aber ihr Profil sagt nichts darüber aus, wie sie so ticken und was sie sexuell genießen. Es gibt keine Kontaktinformationen. Wie soll ich jemanden anhand von nur zwei oder drei Fotos buchen, ohne dass ich jemals mit ihnen gesprochen habe, ihnen mein Konzept erklärt und herausgefunden habe, ob wir uns verstehen? Es sieht so aus, als sei es die leichteste Sache der Welt, Darsteller für einen Pornofilm zu finden, aber es ist so schwer, jemanden zu finden, der hinreißend und einzigartig ist, sexuell befreit und sinnlich, kreativ und verständnisvoll.

Posted in Film Production, Personal | Hinterlasse einen Kommentar

Down And Out/No Angel

Ich komme grade vom Strand zurück. Ich drehte Möwen im Sonnenuntergang für meine Engelszene. Ich muss daran glauben, dass diese Szene noch kommen wird. Vielleicht aber nicht – nachdem Cicciolino 48 Std. vor dem Dreh seine Rolle hingeschmissen hat. Wir hatten geplant, morgen zu drehen. Die Bedingungen sind perfekt. In England haben wir derzeit einen Altweibersommer mit goldenem Sonnenlicht und rosa Sonnenuntergängen und zarten Wolken. Der Drehort, das Team und die DarstellerInnen sind gebucht, und nach Wochen des Wartens ist das richtige Wetter endlich da, wir brennen alle darauf, loszulegen.

Ich habe erst vor ein paar Tagen mit Cicciolino gesprochen, um klar zu machen, ob die Verabredung noch steht und alles OK ist. Er sagte mir, dass er sich auf den Dreh freue und ich buchte seine Maniküre und kaufte ihm Unterwäsche und Armeestiefel.

Als ich ihn nach seiner „Ex“-Freundin fragte, sagte er, dass sie sich momentan nicht sehen und selbst wenn, dass er immer noch zum Filmen kommen wolle und ich sicher auf ihn zählen könne. Dann rief er mich am nächsten Tag an und klang unsicher und vage. Er sagte, seine Freundin (statt seiner „Ex“-Freundin … inzwischen habe ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit zusammen waren und er einfach weder ihr noch mir die Wahrheit erzählt hat) für sie Tickets für eine Spanienreise über das Wochenende gekauft habe und er deshalb den Dreh nicht machen kann.

Ich war sprachlos. Er hat sich nicht einmal dafür entschuldigt, dass er das Team, die DarstellerInnen und mich kurzerhand im Stich lässt, sondern versuchte, sich aus der Affaire zu reden, indem er sich selbst leid tat. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Cicciolino glaube ich, dass das immer wieder passieren wird. Ich kann es mir einfach nicht leisten mit jemandem zu arbeiten, der mich und das Team im Stich lässt. Daher sagte ich ihm, dass ich ihn zukünftig nicht mehr buchen werde. Cicciolino war derjenige mit den großen Pornostar-Ambitionen. Er ist sich nicht im klaren darüber, dass es Verlässlichkeit, harte Arbeit und Engagement bedeutet, in diesem Geschäft erfolgreich zu sein. Hätte er den Vertrag bei einer großen kommerziellen Pornoproduktion gebrochen, wäre er jetzt vermutlich verklagt worden. Weil ich aber eine kleine, unabhängige Produzentin bin, denken manche Leute, dass sie mit mir machen können, was sie wollen, und das macht mich echt traurig. Es ist so schwer, alles wieder von neuem zu organisieren. Wenn sich eine Sache ändern, bricht der ganze Dreh wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ich habe keine Ahnung, wo ich jetzt so kurzfristig einen neuen Darsteller herbekommen soll. Und selbst wenn ich einen finde, muss ich noch einen Tag finden, an dem alle gleichzeitig verfügbar sind, der Drehort frei ist und die Sonne scheint. Wünscht mir Glück.

Posted in Film Production | Hinterlasse einen Kommentar

A False Start

Heute war kein guter Tag. Mein Auto ging auf der Autobahn kaputt und ich musste mich nach Hause abschleppen lassen. Es war das erste Auto, für das ich mehr als ein paar hundert Pfund ausgegeben hatte, und es hat nicht mal ein Jahr lang funktioniert. Ich war nur dankbar, dass ich es geschafft habe, auf den nächsten Standstreifen rüberzuziehen, sonst hätten die Folgen schrecklich aussehen können. Da der Motor nun ruiniert ist, wird das entweder eine sehr teure Reparatur werden oder ich muss mir so schnell wie möglich einen Ersatzwagen kaufen. So oder so bedeutet das eine unerwartete Ausgabe in einer Zeit, in der ich buchstäblich jeden Penny für die neue Filmproduktion brauche.

Dann kam ich nach Hause und fand eine E-Mail von Jörg vor, den ich in Deutschland mit großen Hoffnungen als einen der hinreißenden Darsteller für meinen neuen Film gecastet hatte. Her hatte grade die Gelegenheit gehabt, meinen ersten Film „Sexual Sushi“ anzuschauen – seine Reaktion darauf war harsche Kritik. Er fand, der Film sähe aus als sei „nicht viel Geld darauf verwendet worden“, „die Darsteller seien nicht attraktiv“ und dass die „Sexszenen sehr gradeheraus, auf zu wenige Körperteile begrenzt“ seien und die „Aktivität der Darstellerinnen ihn stressen“. Ich war baff.

Was hatte er erwartet? Ja, ich produziere WIRKLICH Pornofilme mit Erektionen und Penetrationen, keine Soft-Core-Filme. Wenn er ein bisschen Mainstream-Pornos geschaut hätte, wäre ihm klar geworden, wie wenig hard-core-Aktivität Sushi tatsächlich zeigt und wie unterschiedlich meine Art der Beleuchtung, des Filmens und des Schnitts ist. Er zeigte den Film drei von seinen Mitbewohnen und sie teilten seine Kritik – ein wenig überraschendes Experiment, da meine Filme sich klar an Frauen und Paare richten und nicht an den durchschnittlichen Single-Mann.

Er wollte noch immer in meinem Film mitspielen, aber mir wurde nach seiner tiefen Kritik klar, dass er mein Konzept weder wirklich versteht noch unterstützt. Ich muss mit Menschen arbeiten, die mir als Regisseurin vertrauen. In meine kreative Vision vertrauen und dass ich mich um sie als Person genau so kümmere wie als DarstellerIn. Ich werde immer die persönlichen Vorlieben von jemandem respektieren, wenn es um Sex geht und konstruktive Vorschläge meiner Team-Mitglieder willkommen heißen und gedeihen lassen, wenn wir miteinander eine Spielszene entwickeln. Aber wenn ich mit sechs DarstellerInnen an einem teuer gemieteten Drehort filmen, ist es mir als Regisseurin, Kamerafrau und Setfotografin schlicht unmöglich, mich in Detaildiskussionen darüber zu verlieren, wie ich Regie führe und filme.

Also entschloss ich mich, die Kooperation mit Jörg nicht weiter zu führen. Ich fürchtete einfach Dramen beim Filmen, wenn wir alle zusammen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen sollten – eine Atmosphäre, in der die Kreativität frei fließen kann. Die Suche nach dem idealen männlichen Teilzeit-Darsteller geht also weiter …

Posted in Film Production, Personal | Hinterlasse einen Kommentar

Night Of The Senses

Letzte Nacht ging ich zur „Night of the Senses“ – einem umwerfenden jährlichen Event, an dem kreativen Talenten aus der Erotikindustrie die „Erotik-Oscars“ verliehen werden. Das Event sammelt Geld für „Outsiders“, einen Wohltätigkeitsverein, der Beziehungen und Sex für behinderte Menschen unterstützt. Es ist erfrischend, eine Sexszene zu erleben, die keine Körperfaschisten zeigt, sondern körperlich gesunde und behinderte DarstellerInnen gleichermaßen schätzt. Es hat mich immer genervt, dass die Einlasskriterien bei einigen Swingerpartys und Fetisch-Events sehr streng sind und nur die Jungen und Attraktiven reingelassen und willkommen geheißen werden. Wir sind alle sexuelle und sinnliche Wesen, und für mich hat Attraktivität nichts mit einem perfekten Körper zu tun, sondern mit einem sinnlichen Gemüt und der Fähigkeit, Vergnügen zu bereiten und zu erhalten.

Weil ich Tuppy Owens und ihren unermüdlichen Kampf für die sexuelle Gleichberechtigung und die Freiheit für alle Frauen und Männer egal welcher Farbe, Körperform oder mit welchem Fetisch so sehr bewundere, war es eine große Ehre, vor drei Jahren mit dem Erotikpreis für meine Fotografien ausgezeichnet worden zu sein.

Dieses Mal kehrte ich zurück, um zu netzwerken und mich inspirieren zu lassen. Meine neuen Casting-Flyer sind fertig, und so hatte ich einen Stapel davon in meiner Tasche, um sie an Wände und Spiegel zu hängen.

Das Event ist unvergleichbar. Wo viele Sex-Szenen vehement kontrollieren, wer teilnimmt und als „normal“ angesehen wird – ist bei der Nacht der Sinne so ziemlich alles erlaubt. Die einzige Regel ist Respekt. Man berührt niemanden ohne Erlaubnis und ein „Nein“ ist ein „Nein“. Abgesehen davon feiert die Nacht die sexuelle Vielfalt. Es gibt viele verschiedene Spielzimmer, in denen die Leute ihre sexuellen Fantasien ausleben können. Von erwachsenen Babys zu Swingern, Strippern und Sklaven … hier kann man Menschen einer riesigen Bandbreite von sexuellen Orientierungen treffen. Die Stereotypen von „hetero und schwul“, „fetisch und Vanilla“ verschmelzen, und die große Auswahl schafft viele Geschmacksrichtungen, die man ausprobieren kann, indem man zuschaut oder sich aktiv beim Spiel beteiligt.

Die “alles-ist-möglich-Höhle” ist mit schwarzen Tüchern abgehängt und hat Schlitze für die Voyeure in die fließenden Wände geschnitten. Ich liebe es, einen Blick auf die Ekstase anderer Menschen zu erhaschen. Je nachdem, durch welchen Schlitz ich guckte, erlebe ich hautnah die Fantasie einer anderen Person. Weil dies eine kostenlose Peep Show ist, sieht das, was in dem Raum passiert, nicht wie eine Vorstellung sondern eher wie eine römische Orgie aus. Ich sah, wie ein nackter Kerl in einem viktorianischen schwarzen Umhang und Zylinder eine Blondine von hinten fickte. Sie trug nur ein Halsband und eine Leine und stöhnte, wenn er sie zu sich zog. Zwei Biker-Pärchen, die die Abwechslung eines Vierers genossen und mich, als sie meine neugierige Augen hinter dem Vorhang entdeckten, und noch eine andere Person einluden mitzumachen. Es gefiel mir, wie sich der Spieß rumdrehte und plötzlich die Voyeure die Beobachteten wurden. Ich entschloss mich, hinter dem Vorhang zu bleiben und noch mehr Action hinter einem anderen Fenster zu beobachten. Der Kick war, nichts tun zu müssen und mich einfach von den sinnlichen Szenarios, die sich vor meinen Augen abspielten, inspirieren lassen zu können.

Eine Frau reitet auf einem Typen, der auf dem Sofa sitzt. Sie krümmt ihren Rücken und stöhnt, und wenn ich sehe, wie sich ihr Hintern verkrampft, weiß ich, dass sie grade richtig heftig kommt. Er sieht sie ehrfürchtig an … mit diesem Blick, mit dem Männer eine Frau immer dann ansehen, wenn ihnen bewusst wird, dass Frauen wirklich multi-orgastische Wesen sind. Eine Frau in einem weißen PVC-Krankenschwester-Outfit legt sich zurück und ruht ihre gestiefelten Beine auf den Schultern ihres Liebhabers aus. Er ist breitschultrig und zieht sich langsam ein Kondom über, bevor er sie langsam und tief penetriert. Sein Hintern ist wohlgeformt, und ich glaube, dass männliche Hintern und Rücken in den Erotika höchst unterschätzt werden. Außerdem glaube ich, dass hier einiges für die Missionarsstellung spricht: der Augenkontakt und ihre völlige Entspannung, während sie sich von ihm verwöhnen lässt. Er weiß offensichtlich, wie er sie zu verwöhnen hat, denn er gibt ihr eine kleine vibrierende Kugel, mit der sie ihre Klitoris stimulieren kann, während er sie fickt. Männer, die gerne verwöhnen, gefallen mir.

Der Raum ist wie ein sinnlicher Garten Eden, in dem die Leute sich gegenseitig wie frische und reife Früchte probieren. Ich genieße das Gedankenfutter. Vieles von dem, was ich sehen durfte, würde in einem Mainstream-Porno nicht gezeigt werden, und auch mein ungezogene Fantasie wäre vielleicht nicht drauf gekommen (ich hätte niemals daran gedacht, ein Cape als Requisite für einen nackten Mann zu verwenden, aber das ist heiß).

Ein anderer Raum, eine andere Welt. Ich höre das laute Stöhnen einer Frau. Es zieht mich näher. Ihr Stöhnen ist nicht hoch, sondern sie stöhnt vor Lust, fast wie ein Tier. Als ich in den Raum trete, sehe ich Männer, viele Männer, die um eine Art metallenes Bett herum stehen. Alles, was ich von der Frau sehe, sind ihre erhobenen Hüften und ihre Muschi. Sie wird langsam und tief von nur einem Mann befingert, und allen anderen schauen zu. Die Augen des Typen treffen auf meine. Er lädt dazu ein und genießt es, beobachtet zu werden. Das ist so ein Unterschied zu dem Gruppen-Wichs-Szenario einer „Bukkake“-Party. Die Männer sind nicht hier, um die Frau zu erniedrigen. Sie schauen zu, wie eine Frau verwöhnt wird. Und sie wissen, dass sie Glück haben, diesem intimen Moment beiwohnen zu dürfen – ein kleiner Blick in die Welt der unendlichen weiblichen sexuellen Kraft. Eine Frau, die totale Lust ohne Scham empfängt. Sie dient nicht sondern wird bedient. Verwöhnt von nur einem Mann und bewundert von den anderen. Für mich war das wie ein Tempel zur Preisung der weiblichen Lust. Tiefnass und tosend. Und ein Schauer läuft mir über den Rücken.

Ich liebe es, in solche unbekannten Welten einzutauchen. Es ist als ob jeder Raum noch tiefere und dunklere Fantasien enthüllt – von denen viele im „echten Leben“ zensiert werden. Der Ball ist ein seltenes Event, wo sich die Leute gehen lassen und genießen können, ohne bewertet zu werden. Ich schaue gerne durch das Kaleidoskop der Lust, ich sehe zu und bin Zeugin davon, dass wir tatsächlich frei sind, das auszuleben, was wir begehren, wenn wir uns nur trauen, wir selbst zu sein.

Posted in Alternative Porn, Events, Personal | Hinterlasse einen Kommentar