Monthly Archives: Oktober 2007

Amazon Cruising

Amazon Cruising

Heute haben wir ein Foto-Shooting im Tiergarten gemacht, dem großen Park in Berlin, der auch ein berühmter Cruising-Ort für Schwule ist. Dank Laura und ihrer Truppe cruisen hier auch lesbischer Frauen, einmal im Monat mittwochs nach Sonnenuntergang an der Amazonenstatue. Es dauerte nicht lange, bis die Kleidung fiel und die Mädels anfingen zu spielen, obwohl es ein kalter Herbstabend war. Wir hatten sehr viel Spaß beim Dreh und erstaunlicherweise scheint die Nonnen, die vorbeikamen, unsere Eskapaden nicht zu stören. Ich glaube, wenn wir den Dreh im Hydepark gemacht hätten, hätte man uns verhaftet. Alle Macht Laura, weil sie eine weitere Möglichkeit für Frauen geschaffen hat, unabhängig zu sein und sich die Freiheit zu nehmen, raus zu gehen und zu cruisen, wenn ihnen nach einem Quickie im Park mit einer anderen Amazone ist.

 

Nach dem Dreh im Tiergarten habe ich einige Porträts von Laura bei ihr zu Hause gemacht, die ihre tollen samtigen Satin-Muschi-Skulpturen zeigen, die eine andere Erotikkünstlerin für Lauras Shop kreiert hat. Ich werde Laura für FORUM interviewen, damit sie dem britischen Publikum von ihrer lebenslangen Mission erzählen kann, Frauen sexuell zu befreien.

Festival

 

Am Abend gingen wir zu einer Vorführung von “Female Fantasies” im Kant-Kino. Es war eine besondere Nacht, die ich niemals vergessen werde. Es war die Abschlussvorstellung des Festivals, und ich danke den OrganisatorInnen des Pornfilmfestivals, dass sie mir und uns diese Ehre erteilt haben. Es war so aufregend zu sehen, wie sich das Kino an einem Sonntagabend gefüllt hat und dann unseren Film auf der großen Leinwand zu sehen! Ich hatte ihn eine Weile nicht mehr gesehen gehabt, und einige der Szenen ließen mich lächeln. Es war so eine glückliche Stimmung mit viel Gelächter und Applaus aus dem Publikum. Ich möchte allen danken, die gekommen sind und diese Vorstellung für uns zu etwas Besonderem machten. Euer Interesse und eure Unterstützung bedeutet uns mehr als große dicke Schecks und Preise (obwohl es nett wäre, das beides auch zu bekommen!). Nach der Vorführung sind Mia und ich zur Abschlussparty, die passender weise im alternativen LUX-Club in Berlin stattfand. Ich wünschte, ich hätte länger bleiben und die ganze Nacht tanzen können, aber ich musste morgens früh raus, für das Filmen mit RTL. Also entschied ich mich, erwachsen zu sein und um 4 Uhr morgens nach Hause zu gehen, und zu (leider) gehen, als es grade richtig interessant wurde und einige komplett nackte, knackige Kerle auf die Tanzfläche kamen.

 

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The “she-pornographers” agree to disagree

The She Pornographers

Es war ein besonders aufregender Tag für uns, weil Marita Neher vor der Podiumsdiskussion ihre Dokumentation “The She Pornographers” uraufführte, die uns und und viele andere Erotikkünstlerinnen bei der Arbeit zeigt. Auf die Dokumentation folgten zwei Ausschnitte meines neuen Films, der nun „ART-core“ heißt, und es war aufregend, diese zwei fertigen Vignetten dem Publikum zu zeigen. Nach den Vorführungen gab es die große Podiumsdiskusison über „Frauenpornos“. In einem ausverkauften Kino diskutierten sieben Pornofilmemacherinnen (Jessica Grenier, Erika Lust, Julia Ostertag, Ovidie, Audacia Ray und ich) ihre Visionen von Pornos. Wir haben alle sehr unterschiedliche Backgrounds, und einige von uns arbeiten unabhängig, andere werden von großen Firmen beschäftigt. Ich fühlte mich Jessicas Ideen am nächsten, die Inhalte für die umwerfende australische Webseite „Beautiful Agony“ produziert – die echte Menschen beim Sex zeigt – und sich auf ihre Gesichter konzentriert und keine gespielten sondern authentische Szenen verwendet. Es war interessant zu verstehen, dass sich von Frauen gemachte Pornos nicht automatisch an Frauen richten, wie z.B. bei Audicia Ray. Es gab auch eine Diskussion darüber, wie Pornos Frauen bekräftigen statt degradieren kann. Einige Filmemacherinnen, die ihre Filme „feministisch“ nennen, wurde dafür kritisiert, dass sie extensiv Blowjobs und Cum-Shot ins Gesicht der Frau zeigen.

Unsere Geschmäcker davon, was wir im Schlafzimmer oder im Film sexy finden, sind unterschiedlich. Ich glaube, dass jede Filmemacherin das Recht hat, in ihren Filmen zu zeigen, was sie will, aber wir sollten mit unseren Inhalten vorsichtig sein, wenn wir behaupten „feministische Pornos“ zu machen. Ich möchte Frauen stark machen und darum habe ich mich entschieden, den Fokus darauf zu legen, wie die Frauen verwöhnt werden anstatt nur selbst zu verwöhnen, und ich zeige auch lieber Orgasmen auf verschiede Weise, wie z.B. in den Gesichtern der Liebenden anstatt jede Szene mit einem männlichen Cum-Shot auf den Körper der Frau zu beenden. Wenn wir Filme produzieren und sie „frauen-freundlich“ oder „feministisch“ nennen, der tatsächliche sexuelle Inhalt sich aber weiterhin hauptsächlich auf die Lust des Mannes konzentriert und die kommerziell erfolgreiche Mainstream-Porno-Formel kopiert, dann werden kraftvolle Worte, die eine tiefe Bedeutung haben sollten, verspottet und als reiner Marketing-Gag benutzt. Feminismus verschreibt sich der Gleichheit der Geschlechter, deshalb sollten „feministische Pornos“ auf jeden Fall die als gleichberechtigt zu den Männern darstellen und nicht als unterwürfige Geschöpfe. Eine Frau, die geleckt wird, eine Frau, die einen Mann mit einem Strap-On fickt, ein Mann, der sein seine eigene Wichse probiert und auch weibliche Ejakulationen zu zeigen – solche Techniken, die Frauen als Herrinnen der Lage zeigen, können „feministische Pornos“ genannt werden. Wenn ihr einen Cum-Shot ins Gesicht der Frau zeigen wollt, ist das o.k., aber nennt es dann nicht feministisch.

Nach der Diskussion hatte ich das Vergnügen, Ilan und Mia besser kennen zu lernen. Sie sind zwei neue Darstellerinnen, mit denen ich nächste Woche arbeiten werde. Wir hatten bereits ausführlichen E-Mail und Telefonkontakt, aber dies war das erste Mal, dass wir uns physisch getroffen haben. Ilan, Mia, Violetta und ich gingen zum Essen und Plaudern und Chillen in ein Café. Was für ein Segen, diese beiden wunderschönen Frauen nun in meinem Team zu haben.

Beide hatten mich kontaktiert, weil ihnen mein Konzept des sinnlichen, kreativen und intimen Pornos gefällt und sie ein Teil der „kleinen Revolution“ sein wollten, „die Petra grade in der Pornoindustrie durchsetzt“, wie Mia es ausdrückte. Mia ist eine hinreißende Frau mit einem burlesken Touch. Sie hat auch vorher schon in Pornofilmen mitgespielt und hat es ein wenig satt, es immer nur vorzutäuschen und nicht zu fühlen. Daher werde ich meine Regel, nur mit AmateurInnen zu arbeiten, mal brechen, weil sie mir versprochen hat, vor der Kamera nur das zu tun, was sie genießt, sich wirklich gehen zu lassen und es zu spüren. Ich hoffe, dass unser Dreh Mia bekräftigen wird, dass sie nun Teil der Familie ist und es egal ist, wo sie vorher gearbeitet hat. Ilan wurde mir von Laura vorgestellt. Sie ist eine junge Frau mit großen Augen, die sehr klug ist und sich selbst und ihre Sexualität im Film noch tiefer erkunden möchte. Sie hat den Körper einer Tänzerin, und wir hatten so viel Spaß auf der Toilette des Restaurants, wo sie einige der umwerfenden Dessous anprobierte, die Bracli uns netterweise gespendet hat. Wir haben gleich dort vor Ort ein paar Aufnahmen gemacht, Ilan ohne Make-Up in champagnerfarbener Perlenunterwäsche, die aussah, als würde sie ein Vermögen kosten! Es war nett, einen kleinen Eindruck vom Dreh zu bekommen, das Ende dieses Monats starten wird.

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Wilkommen-Bienvenue-Welcome!

Ich hatte die Ehre, zu Gast bei Laura Meritts Salon zu sein, den sie bei sich zu Hause betreibt und der jeden Freitag zum Ladengeschäft wird. Sie hat ein offenes Haus, ihre Wohnung fungiert als Treffpunkt für Frauen, die nach aufregenden Toys und Filmen suchen und gerne Gleichgesinnte treffen möchten. Wir tranken eine Flasche Sekt, aßen Trüffel und schauten Ausschnitte aus meinem nächsten Film „Art-core“. Violetta, eine meiner besten Freundinnen und Darstellerin in meinen Filmen, war mit mir dort, um mich zu unterstützen und über unsere Arbeit zu sprechen, sinnliche Frauenpornos zu kreieren. Es macht immer Spaß, Frauen zu treffen, ihr Feedback zu unseren Filmen zu bekommen, und oft entschließen sich eine oder zwei der anwesenden Frauen, dass sie gerne zukünftig mit uns arbeiten würden, was immer aufregend ist. Ich möchte Laura danken, dass sie uns eingeladen hat und meinen Vertrieb für die ganzen kleinen, unabhängigen Sexshops in Deutschland regelt. Sie führt auch einen Online-Shop mit tollen Sachen – ich deckte mich mit Requisiten und Toys für den neuen Film und den Dreh nächste Woche ein. Ihr könnt online bei Lauras Sexclusivitäten einkaufen: http://www.sexclusivitaeten.de/

Kleine Nachrevue

Obwohl es verlockend gewesen wäre, jede Nacht beim Pornfilmfestival Pornos im Kino zu gucken, haben wir beschlossen, dass wir einen Abend ein wenig traditionelle Berliner Cabaret-Kultur genießen sollten. Wir fanden die Kleine Nachtrevue (http://www.kleine-nachtrevue.de), einen intimen und wunderschönen Club, der jede Nacht eine andere Show zeigt. Wir waren einige der wenigen Gäste, und es kam uns fast so vor, als ob wir für eine Privatvorstellung dort wären. Die Show, die wir ansahen, war ein erotischer FAUST – eine intensive Frauen-Tanznummer. Was mich wirklich umgehauen hat, waren die kleinen Nummern, die alle 15 Minuten bis tief in die Morgenstunden nach der Vorführung gezeigt wurden – meine Lieblingsnummer war eine strippende Zauberin, die mit einem winzigen grünen Stück Stoff arbeitete, dass sie wegzauberte und von den verrücktesten Orten wieder herbeizauberte. Sylvia Schmid, die Besitzerin und Hauptdarstellerin der Show hat Stil, Klasse und eine kraftvolle Stärke, die in einem Durchschnitts-Club schwer zu finden ist. Wir haben das wirklich genossen und werden wiederkommen und uns mehr Shows ansehen.

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It’s the winning that counts

Petra Joy with Award

Im Scheinwerferlicht zu stehen, das Blitzlichtgewitter zu spüren und einen Preis hoch zu halten während die Leute applaudieren – ich werde euch nicht anlügen: es IST das beste Gefühl der Welt! Ich kann es noch gar nicht fassen – „Female Fantasies“ hat den Preis für den besten „Soft“-Film beim Erotikfilmfestival in Barcelona gewonnen. 48 Std. später bin ich noch immer aufgedreht. Ein Hoch der Endorphine. Das letzte Mal, das ich mich so gut gefühlt habe, hatte ich grade einen Fallschirmsprung aus 4300 Meter Höhe hinter mir. Im Flieger nach Hause hörte ich Diana Ross’ „I’m coming out, I want the world to know, got to let it show! There is a new me coming out and I just have to live, I am completely positive!” Ich konnte nicht aufhören zu lächeln – hoch über den Wolken, in den Sonnenuntergang hinein. Einer dieser Momente, die man nicht vergisst und für immer in Ehre hält.

Auf’s Gewinnen kommt es an, weil es dich erkennen lässt, dass es all das wert war: fünf Monate lang Tag und Nacht zu arbeiten, mir 30.000 von der Bank zu leihen, um den Film zu finanzieren, noch mehr Geld auszugeben, um für den Flug und die Unterkunft in Barcelona zu bezahlen. Das alles kumuliert in diesem Moment: den massiv-bronzenen Preis in meinen Händen zu halten mit dem größten Lächeln in meinem Herzen.

Rote Plüschteppiche, schwarze Ballons, ein Sektempfang, Flash-Video-Präsentationen, Nouvelle Cuisine Dinner … die FICEB-Preisverleihungsparty war der Hammer. Wie eine erotische Oscarverleihung. Ich war froh, dass ich zufällig Giles und Alexander getroffen hatte, die Typen, die die heat gay line von Private betreiben – sie luden mich zu ihrem Tisch in der ersten Reihe ein. Es hat echt geholfen, dass sie so nett waren. Mein Herz raste, weil ich so nervös war und ich niemanden dort kannte und nicht so gut Spanisch spreche und nicht wusste, ob ich gewinnen würde. Die Jungs haben es geschafft, mich etwas zu beruhigen, sodass ich, als ich auf die Bühne gerufen wurde, um meinen Preis entgegen zu nehmen, den Moment genießen und strahlen konnte!

Als Pionierin mit meiner Arbeit war die erste Herausforderung, die Profi-Einkäufer zu überzeugen, meine Filme ans Lager zu nehmen. Es war unglaublich schwer, sie zu überzeugen, dass JA, es wirklich einen Markt für kunstvolle, kreative und frauenfreundliche Erotikfilme gibt. Und allen Widrigkeiten zum Trotz verkaufen sich meine unabhängigen Filme. Einen Preis der Industrie zu gewinnen ist mir also mehr wert als Geld, weil es bedeutet, dass die Erotikindustrie meinen kreativen und sinnlichen Ansatz anerkennt, Pornos für Frauen zu machen statt einfach nur Filme zu feiern, die auf erprobten und getesteten Formeln basieren. Ich denke auch, dass ich mitgeholfen habe, den Weg für andere Filmemacherinnen zu ebnen. Als ich vor vier Jahren „Sexual Sushi“ veröffentlichte, wer hätte da gedacht, dass es dieses Jahr erstmals eine neue Kategorie beim Venus Award in Berlin für weibliche Hard-Core-Pornos geben würde? Nächsten Donnerstag wird also der Venus Award in Berlin verliehen. „Female Fantasies“ ist nominiert. Wünscht mir Glück – als unabhängige Filmemacherin ohne eine der großen Vertriebsfirmen im Rücken würde mir dieser Preis sehr viel bedeuten.

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The women and men of Bagdad, Barcelona

Bagdad

Wann immer ich eine Stadt besuche, erkunde ich immer gerne ihre Erotikkultur. Und Barcelona trieft nur so vor Sex und Leidenschaft. Das warme Wetter, die lange Siesta mit köstlichen dreigängigen Menüs – es liegt die Würze von Leben und Liebe in der Luft. Und von dem Moment an, wo ich ankam und meine Hose mit einen Minirock und die Stiefel mit hohen Absätzen getauscht habe, kann ich es auch spüren: meine Sinne sind wiedererwacht. Zuhause vergesse ich oft bis spät in den Nachmittag hinein zu essen, hier erliege ich dem „menu del día“, das ich mit ein, zwei Gläschen Wein runterspüle. Riesige Schinken hängen von den Decken, ich fühle mich wie auf dem Filmset von „Jamon Jamon“. Der Kellner bringt mir mit der Rechnung auch seine Telefonnummer und grinst mich groß an. Ich fühle mich lebendig, begehrenswert und lebhaft. Ich entschließe mich, beim Boudoir vorbeizuschauen, einem Luxus-Sexshop für Frauen. Sie verkaufen Luxus-Toys und Dessous, zu meiner Überraschung und Enttäuschung aber keine Erotikfilme. Sie glauben nicht, dass sich Erotikfilme gut mit ihrem Luxus-Image vertragen würden – noch nicht. Da ist es wieder, das „Porno“-Stigma – als ob alle Filme gleich wären und Frauen gar nichts geben könnten. Ich hoffe, dass sie ihre Meinung ändern werden und akzeptieren, dass auch Frauen visuelle Wesen sind und von sinnlichen Pornos erregt werden können und erregt werden. Ein Besuch im Erotikmuseum inspiriert: es gab immer erotische Kunst und es wird sie immer geben. Als Erotikfotografin und -Filmemacherin trage ich die Fackel der Leidenschaft weiter, die sich in der Öffentlichkeit ausdrückt und sich nicht im Schrank versteckt. Mein Lieblingsstück der Ausstellung ist ein viktorianischer Spazierstab. Der Griff ist eine wunderschöne Muschi, aus Elfenbein geschnitzt und handbemalt. Er ist delikat und einzigartig, und eine passende Hommage an die Schönheit des weiblichen Geschlechts.

Bagdad

Am Abend besuchte ich Bagdad, einen einzigartigen Club, den es schon seit 30 Jahren gibt. Er veranstaltet live Sex-Shows und hat den Ruf, eine Pornoakademie zu sein. Ich bin schon in Lap-Dance-Clubs und zu live Sex-Shows in Amsterdam gewesen und habe nicht viel erwartet, aber nichts hat mich auf das hier vorbereitet: einen kleinen Club mit bloß 50 bequemen Sitzen, wo die DarstellerInnen nur einen Meter vom Publikum entfernt ficken. Live auf der Bühne. Es gibt keine Glasabtrennung wie in Amsterdam und die Beteiligung des Publikums ist nicht nur erlaubt sondern gewünscht. Die Vorführungen sind eine schräge Mischung aus Intimität und Sterilität. Die Mädels und Jungs sind hübsch. Die Mädels haben knackige Nippel und die Kerle steife Schwänze. Aber beim Sex küssen sie sich nicht. Sie schauen sich nicht gegenseitig an sondern starren irgendwo in die Ferne. Außerdem mangelt es an Frauen, die geleckt werden – weder von anderen Frauen noch von Männern. Wenn die Frauen untereinander Sex haben, halten sie einen Dildo in der Hand anstatt dass sie einen Strap-On benutzen. Man hört keine Geräusche von den DarstellerInnen. Man sieht keinen Schweiß. Ich bin fasziniert. Sex als Darstellung. Live. Vor einem Raum voller Leute. Sie gehen durch all die Bewegungsabläufe und sehen wunderschön aus, und doch fühlen sie nichts. Ich bin platt.

Bagdad

Juani de Lucia, die Frau, die den Club seit 30 Jahren erfolgreich betreibt, erklärt mir, warum Bagdad die Funktion einer Pornoakademie erfüllt: „Wenn du es hier vor 50 Leuten treiben kannst, dann ist ein Dreh vor einem vierköpfigen Team leicht.“ Oft bleiben die Möchtegern-Pornostars im Bagdad, weil das Geld noch besser als beim Porno ist. Juani erklärt mir, dass das Ziel von Bagdad nicht ist, zu „erregen“ sondern zu unterhalten. Irgendwie ist Bagdad im katholischen Spanien zu einer Institution geworden. Das gut bekannte, erfolgreiche und akzeptierbar Gesicht des Pornos. Juani zeigt mir eine E-Mail einer spanischen Familie, die ihre Oma zu ihrem 95. Geburtstag in den Club bringen. Sex als Familienunterhaltung. Für mich ein völlig neues Konzept. Dann wiederum ist im Bagdad alles möglich: Paare springen auf die Dreh-Plattform und lassen ihre Fantasie wahr werden, Sex in der Öffentlichkeit zu haben, und ein nichts ahnender Kunde kann plötzlichen einen Blowjob erhalten. Das passierte heute Nacht. Das einzige Problem war, dass er nicht steif war und einen Penis der Größe einer Eichel hatte, was die Darstellerin und das Publikum zum kichern brachte. Die Mädels im Bagdad sagen jedenfalls klar, wo’s langgeht. Selbst wenn sie Kunden einladen, sich verwöhnen zu lassen, passen sie auf, dass die Kerle es nicht übertreiben. Wenn ihr also auf die Bühne gerufen werdet, seid vorbereitet. Die Stimmung in der Bar und hinter der Bühne ist wirklich warm und freundlich. Die DarstellerInnen kennen sich untereinander gut und sind eine verschworene Gemeinschaft, fast wie eine Familie. Ich blieb schließlich, plaudernd und zuschauend, bis 6 Uhr morgens. Wo sonst auf der Welt könnte man in eine Welt wie diese auftauchen? Wenn ihr die Frauen und Männer vom Bagdad in Barcelona kennen lernen wollt, schaut auf: www.bagdad.com. Die neueste Spielerei auf der Bagdad-Webseite ist ein Pornoclip, den man sich auf sein Handy laden kann, und bei dem man sein eigenes Gesicht über das Gesicht des Mädels oder des Typen, beim Sex kopieren kann. Das gefällt mir am Bagdad: Sie haben einen großartigen Sinn für Humor.

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Meet and greet

FICEB Show

Auf dem Weg zum FICEB erzählt mir der Taxifahrer, was für ein riesen Event diese Fachmesse und das Filmfestival tatsächlich sind. Ganz Barcelona kennt es und will was davon mitbekommen. Obwohl das Event als ich ankomme nur für das Fachpublikum und die Presse geöffnet ist, liegt ein Kribbeln in der Luft.

Die Vorstellungen haben bereits angefangen und die DarstellerInnen geben auf der Bühne alles, spielen mit Toys und mit sich gegenseitig. Bald bilden sich Gruppen von Zuschauern und Fotografen vor den verschiedenen großen Bühnen.

Auch ich laufe geschäftig herum. Irgendwie muss ich in der richtigen Stimmung gewesen sein, denn ich habe mir letztendlich einen riesigen holzgeschnitzten Penis gekauft, der etwa 5 Kilo wiegt.

Im Pressezimmer traf ich Belladonna, die grade aus Kalifornien eingeflogen war, um ihren neuen Film zu bewerben. Obwohl ihre Arbeit viel mehr hard-core als meine ist, bewundere ich ihre Leidenschaft, die in ihren Filmen wirklich rüber kommt. Sie war heiß, heiß, heiß in „Fashionistas“. Wir redeten über Casting-Techniken und sie sagte: „Zu wenige Regisseure achten beim Casting auf eine Verbindung zwischen den DarstellerInnen!“ Ich bin ganz ihrer Meinung. Wenn die Verbindung zwischen den SpielerInnen da und echt ist, werden auch die Sexszenen aufregend sein.

Ich kam, um einen spanischen Vertrieb für meine Filme zu finden, aber das stellte sich als schwerer heraus als ich gedacht hatte. Keine der frauenfreundlichen Läden und Unternehmen verkaufen Pornos, sondern nur sexy Dessous und Toys, weil sie glauben, dass Pornos schlecht für ihr Image wären und dass „die Frauen in Spanien noch nicht dafür bereit sind“. Wenn ich mit den Händlern und potenziellen Vertrieben spreche, fragen sie mich, ob ich lesbische Pornos mache. Wenn ich sage „ich mache Frauenpornos“, nehmen sie automatisch an, dass es lesbischer Hard-Core ist. Es ist fast als ob die kinky Begierden von heterosexuellen Frauen nicht existierten. Wie seltsam. Heterofrauen haben sexuelle Fantasien und lassen sich gerne von Bildern anmachen, die speziell für sie gedreht wurden – nicht nur von männlichen Hetero-Pornos oder lesbischen Pornos. Niemand glaubt mir hier – noch nicht. Ich verteile trotzdem Ansichts-DVDs, weil ich glaube, dass die Zeit für heterosexuelle weibliche hard-core Pornos kommen wird – bald.

Ich war neugierig darauf, den Regisseur kennen zu lernen, dessen spanischer Film “Mi padre” für neun Auszeichnungen nominiert worden war: G.C. Er arbeitet seit neun Jahren als Pornoregisseur und hat etwa 50 Filme gedreht. Dies ist der erste Film, den er unabhängig gedreht und produziert hat. Er hat fünf Monate lang an diesem autobiografischen Film gearbeitet.

Als ich ihn fragte, was bei dieser Produktion am schwersten war, sagte er “alles”. Als ich fragte, was das beste war, sagte er „alles“. Ich weiß genau, was er meint: einen großen Spielfilm unabhängig zu produzieren und zu drehen bedeutet, einen Traum wahr werden zu lassen, aber gleichzeitig ist es der schlimmste Albtraum deines Lebens. Totale Freiheit ist gleichbedeutend mit totaler Verantwortung, und es stellt deine Geduld und deine Ausdauer wirklich auf die Probe, den Alleingang im großen Stil zu wagen.

G.C. studierte an der Universität von Barcelona und wurde Kameramann. Er fotografierte und drehte wilde Tiere und Extremsportarten, bevor er zufällig dazu kam, seinen ersten Pornofilm zu drehen. Als ich ihn fragte, was er für das Geheimnis hält, um einen großartigen Pornofilm zu drehen, sagte er mir: „Die meisten Menschen glauben, dass sie Sex mit ein bisschen Dramatik und Komödie brauchen. Ich glaube, man muss die Sexszenen in das Drama und die Komödie integrieren. Darum zeigt mein zweistündiger Film nur 40 Minuten tatsächlichen Sex.“

G.C. und ich tauschten Kopien unserer Filme aus, und ich schaute mir seinen in der gleichen Nacht noch an. Er ist wirklich sehr, sehr gut; einer der besten Pornofilme, die ich je gesehen habe. Es macht nichts, dass ich die spanischen Dialoge kaum verstanden habe: die Sexszenen sind wunderschön gefilmt und geschnitten. Besonders die Gruppensex-Szene ist Poesie in Bewegung. Geschnitten zu Musik, mit vielen langen Einstellungen, Schwenks und Zeitlupeneinstellungen, wirkt es fast wie eine traum-ähnliche Fantasieszene, in der man sich verlieren kann. Es ist ein Genuss, sich das anzuschauen, und man wünschte, man wäre dort. Das einzige, was mir an den Sexszenen nicht gefällt ist die Fixierung auf Blowjobs und Penetrationen. Ich liebe es, Frauen zu zeigen, die oral befriedigt und verwöhnt werden, und selbst das passiert nur einmal in der letzten Sexszene und ungefähr eine Minute lang. Aber G.C. ist ein Kerl und dreht offensichtlich männliche Fantasien. Aber die Art, wie er sie filmt ist sogar für Frauen aufregend.

Heute Nacht ging ich zu einem Interview mit Canal Plus. Das war ein echtes Vergnügen. Die Journalistin fragte wirklich kluge Fragen und die Bar, in der wir drehten, hat extra für uns geschlossen und uns Getränke ausgegeben. Ich hatte die Bar ausgewählt, weil sie ein möglicher Drehort für einen möglichen Dreh ist: klein und gemütlich mit roten Wänden und gedämpften Licht – genau richtig für sinnliche Verführung. Ich kann kaum glauben, wie freundlich und entspannt sie waren, dass wir dort filmten und ich dort vielleicht einen Porno drehen wollte. Sie spendierten mir schließlich die ganze Nacht Getränke (Cava, mein Lieblingsgetränk) und ich blieb noch und plauderte mit zwei heißen Schwulen über sexuelle Fantasien, lange nachdem das Fernseh-Team gegangen war. Ein Kerl erzählte mir, dass seine Fantasie ist, in einem Labyrinth gefangen zu sein und Sex mit allen möglichen maskierten Leuten zu haben, nie zu wissen, wer oder was hinter der nächsten Ecke ist. Das ist eine wirklich aufregende Idee und es würde ihm gefallen, wenn sie in eine Erotikfilm-Sequenz umgewandelt würde. Vielleicht wird sie das eines Tages.

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