Monthly Archives: März 2008

Dealing with dealers

Petra Joy

Ob ihr’s glaub oder nicht: der Vertrieb für “Feeling It!” ist noch immer nicht geregelt. Ich hatte ein paar kleine Grossisten, die Bestellungen aufgegeben haben, nur um gleich darauf ein paar unfreundliche E-Mails hinterherzuschicken, in dem sich mich verdächtigen, dass ich den Film anderen Händlern zu einem besseren Preis verkaufe. Natürlich berechne ich allen den gleichen Preis. Was vorkommen kann ist, dass einige dieser kleinen Grossisten den Film den Frauen-Sexshops unter meinem Verkaufspreis angeboten haben. Das ist eine verwirrende Praxis, die Gerüchte und Verdächtigungen hervorruft. Ich weiß nicht, warum sie die DVDs für so geringen Preisen weiterverkaufen, bei denen sie oft nur 2 Euro pro Film verdienen (im Gegensatz zu den LadenbesitzerInnen, die zum Verkaufspreis verkaufen können). Die einzige Erklärung, die ich dafür habe ist, dass es ein cleverer Weg ist, neue Kunden zu erschließen, die dann auch andere Produkte von ihnen kaufen.

Mir war nie bewusst, wie schlimm der Wettkampf unter den kleinen Grossisten ist, und meine Ohren brennen noch von den Beschimpfungen über die zerstrittenen Firmen, die ich gehört habe. Es ist so schwer einzuschätzen, wem man vertrauen kann und welche Kommentare man glauben soll. Am Ende des Tages will ich doch nur, dass meine Filme in den Läden stehen und die Endkunden die Möglichkeit haben, „Feeling It!“ oder andere Pornos kaufen zu können.

Ich wünschte wirklich, ich müsste mich nicht mit der Vertriebsseite der Produktion herumschlagen und könnte einfach alle meine Energie auf meine Kreativität konzentrieren. Das ist meine Stärke, und ich glaube, dass ich leicht enttäuscht werde und mir mein Schwung und mein Optimismus für zukünftige Projekte geraubt wird, wenn ich diejenige bin, die die Geschäfte abwickeln muss.

Ich warte noch auf Antwort von einem großen Großhändler, der überlegt, „Feeling It!“ einzukaufen. Wir hatten vor zwei Wochen ein Treffen, und jetzt kann ich nur abwarten. Bitte drückt mir die Daumen, weil dieser Deal meinen Kredit für die letzte Produktion abbezahlen könnte. Ich brauche eine große Bestellung, um auf meinen Weg weitergehen zu können.

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Easter Eggs and porn

Violetta Storm

Letzte Nacht kam Violetta vorbei. Wir aßen Osterbraten und kippten ein paar Gläser roten russischen Krimsekt. Ich bin so froh darüber, dass die meisten Darstellerinnen meiner Filme so gute Freundinnen geworden sind, dass wir uns regelmäßig treffen.

Violetta und ich waren beide aufgeregt, weil passend als nette Osterüberraschung ein Paket aus New York angekommen war: Candida Royalle, eine echte Pionierin des Frauenpornos, hatte uns ihre neuesten Filme geschickt. Wir sahen uns „Aphrodite Superstar“ an, den ersten Film aus Candidas neuer Kollektion „Femme Chocolat“, die hauptsächlich göttliche farbige Männer und Frauen beim leidenschaftlichen Sex zeigt.

Der Film gefällt uns wirklich sehr – die schönen Farben, der peppige Schnitte und die sehr erotischen und wunderschön gefilmten Sexszenen waren eine reine Augenweide, und es gab viele Momente, an denen wir den Film nicht bloß mit professionellen, analytischen Augen betrachtet haben, sondern auch heiß wurden. Das bedeutet normalerweise, dass es ein großartiger Film ist! Danke, Candida, dass du mir so eine interessante, unterhaltsame und unterstützende Brieffreundin geworden bist und mich mit aufregenden Frauenpornos versorgst. Mehr Infos zu Candida: www.candidaroyalle.com

Violetta und ich hatten außerdem Spaß bei einem Foto-Shooting, bei dem ich burleske Porträts von ihr machte – nur zum Spaß. Ich liebe diese kreativen Freizeitprojekte am meisten, weil es keine Vorgaben oder Abgabetermine gibt. Auf diese Weise erreichen wir oft die kreativsten Resultate. Das Foto, das ihr hier seht, zeigt Violetta, wie sie einen der raren Frühlings-Sonnenstrahlen genießt und dabei nichts als Perlen und Blüten aus meinem Garten trägt.

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Sisterhood is powerful

Nicole Ruediger

Gestern hatte ich das Vergnügen, eine andere weibliche „Pornografin“ in dem Kölner Café Orlando zu treffen. Nicole Rüdiger ist eine der Herausgeberinnen des „Jungsheft“ – einer Zeitschrift, die normale Kerle nackt und mit Ständern zeigt. Es ist als Porno für Frauen gedacht, weil die Herausgeberinnen Elke Kuhlen und Nicole Rüdiger vor langer Zeit erkannten, dass es kaum irgendwelche nackten, heißen Männer gab, die sich die Frauen anschauen konnten. Die Zeitschrift startete vor zwei Jahren und erscheint zweimal jährlich. Die Auflagen von 2000 Exemplaren sind ausverkauft und in Deutschland zum Sammlerobjekt avanciert. Die Zeitschrift wird unabhängig finanziert und ist ein wahres Produkt der Liebe für die beiden Herausgeberinnen, die an jedem Stadium der Produktion beteiligt sind. Nicole und Elke hatten, genau wie ich, Angebote, sich zu verkaufen und ihre Freiheit und kreative Kontrolle gegen Geld einzutauschen, und ich bin froh, euch mitteilen zu können, dass sie sich selbst treu geblieben sind und unabhängig bleiben werden. Sie haben nun auch ein Büchlein herausgebracht, das den Jungs einige Mädels zum Anschauen bietet, und sie erzielen immer größere Erfolge. Wir hoffen, uns gegenseitig unterstützen zu können – Nicole empfiehlt mir Männer, die schon für ihre Zeitschrift gemodelt haben und ich versorge sie mit Fotos und schreibe vielleicht sogar ein bisschen über Tabuthemen wie Frau-zu-Mann-Penetrationen.

Es war erfrischend, die 21-jährige Nicole zu treffen. Es macht mich glücklich, dass es jetzt mehrer Generationen weiblicher Pornografinnen auf der ganzen Welt gibt, die die weiblichen sexuellen Begierden ausdrücken: amerikanische Frauen wie Annie Sprinkle und Candida Royalle und Maria Beatty, die vor über einem Jahrzehnt loszogen, um weibliche Begierden zu visualisieren. Und jetzt gibt es eine neue Welle europäischer Frauen wie Natasha Meredith, Nicole Rüdiger und vielen anderen, die die Fackel für Frauenpornos weitertragen. Wir inspirieren und gegenseitig und können uns gegenseitig mit schwierigen Aspekten unserer Arbeit unterstützten, wie z.B. die Finanzierung oder den Vertrieb von unabhängig produzierten Frauenpornos. Weitere Informationen über das erotische Kultmagazin: www.jungsheft.de

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Burst Bubbles

Petra Joy

Es ist 18 Monate her, dass mein letzter Film erschienen ist, daher will ich die vielen Frauen, denen meine ersten beiden Filme gefallen haben, unbedingt mit mehr Gedankenfutter versorgen, aber die Dinge sehen momentan nicht so gut aus.

Ungefähr jetzt sollte mein neuer Film “Feeling It!” in den Fachblättern rezensiert werden und außerdem in die Läden kommen. Ich sollte vor Glück strahlen, weil dies eine Zeit sein sollte, kreativ und auch finanziell aufzutanken. Da ich die letzten sechs Monate an diesem Film gearbeitet habe, hatte ich nur Ausgaben, keinerlei Einkünfte. Ich habe gehofft, die große Investition schnell wieder reinzuspielen. Ich muss Rechnungen bezahlen und wenn danach ein Gewinn übrig bleibt, würde ich den gerne in meinen nächsten Film stecken, den ich in meinem Kopf schon klar vor mir sehe.

Doch es ist kein guter Tag. Heute haben verschiedene Großhändler meinen neuen Film nur deswegen zurückgewiesen, weil er leicht teurer ist als „Female Fantasies“. „Feeling It!“ ist mein bislang längster Film und der Dreh und die Postproduktion haben mich ein Vermögen gekostet. Wir haben außerdem ein vierseitiges Booklet produziert, das dem Film beiliegt und teuer in der Herstellung war. Doch diese Einkäufer scheint das nicht zu interessieren. Sie verkaufen meine ersten beiden Filme derzeit für ca. den sechsfachen Preis, für den sie sie eingekauft haben. Sie wollen meinen neuen Film, aber nur, wenn sie ihn für den gleichen oder einen niedrigeren Preis als „Female Fantasies“ bekommen. Viele Einkäufer der Grossisten interessieren sich nicht für die Inhalte oder den Stiel eines neuen Films, sondern konzentrieren sich rein auf den Einkaufspreis. Selbst wenn der Film umwerfend ist, werden sie ihn nicht kaufen, wenn der Preis nicht stimmt. Ich weiß, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die meinen neuen Film gerne in Händen halten möchten, aber es wird nicht leicht für sie werden, einen Laden zu finden, der ihn vorrätig hat. Das ist frustrierend.

Es ist ein Teufelskreis. Die Pornoindustrie insistiert darauf, dass sich Frauenpornos nicht verkaufen. Sie verkaufen sich aber deshalb nicht, weil sie in den meisten Läden noch nicht mal vorrätig sind und den Endkunden die Möglichkeit bieten, sie zu kaufen. Es gibt eine Eigenzensur in der Pornoindustrie, die von der blinden Gier motiviert ist, den Gewinn zu maximieren. Das ist kurzsichtig und ermöglicht es dieser Industrie nicht, sich zu entwickeln, zu vergrößern und neue Produkte aufzunehmen oder eine neue Kundschaft, die sich letztendlich als profitabel herausstellen könnte. Ich weiß dass sich meine Filme überall verkaufen, wo sie erhältlich sind. Sie aber in die Läden zu bekommen, ist ein echter Kampf. Für mich bedeutet das, dass ich mir für mindestens die nächsten sechs Monate einen Brotjob besorgen muss, bevor ich überhaupt daran denken kann, einen weiteren Film zu drehen.

Was dem allen die Krone aufsetzt, ist eine E-Mail von einem Fachblatt, das bislang meine Arbeiten vorgestellt hat. Ich hatte gehofft, dass sie einen Artikel über „Feeling It!“ bringen, weil es keinen vergleichbaren Film auf dem Markt gibt. Die Journalistin liebt meinen neuen Film und wollte ihn als „Tipp des Monats“ besprechen. Doch der Herausgeber sagte der Journalistin, dass meine Arbeiten nicht mehr in dem Magazin besprochen werden, wenn ich nicht für einen Werbevertrag bezahle. Wenn ich nicht die Leitartikel kaufe, werden meine Arbeiten nicht mehr rezensiert. Ich bin vor den Kopf geschlagen.

Ich verstehe, dass sich ein Magazin über Anzeigen finanziert, und dass die Firmen, die für die Anzeigen bezahlen, bei den Artikeln vorgezogen werden. Dennoch war mir nicht bewusst, dass eine unabhängige Produzentin schlichtweg nicht mehr vorgestellt wird, wenn sie sich die Werbung nicht leisten kann. Vielleicht bin ich naiv, aber ich halte es für die Pflicht der Journalisten, ihre Leserschaft über neue Ideen zu informieren – besonders wenn sie vom Mainstream abweichen. Wie können die LeserInnen eine Zeitschrift ernst nehmen, wenn alle Filmrezensionen gekauft sind und nichts mit der Qualität des Films zu tun haben? Ich beginne zu verstehen, warum die Erotikindustrie es so schwer hat, sich zu entwickeln. Es geht mehr um den Profit als um Innovation. Und das ist sehr niederschlagend für jemanden, die versucht, etwas ganz neues zu schaffen, selbst wenn das bedeutet, dass man dabei Geld verliert. Momentan warte ich auf ein Wunder.

Ich bin dankbar für meine treue Kundschaft, die ihre Bestellungen aufgegeben haben und die ersten sein warden, die den Film verkaufen: Lust und Liebe und Sexklusivitäten. Ich hoffe, dass andere folgen werden und verstehen: wenn man nur Peanuts bezahlt, bekommt man auch nur affiges Zeug.

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Hot Video, März 2008

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Artikel über Petra. (französisch)

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EAN, Vol.03-3, März 2008

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Ein ausführliches Interview mit Petra. (englisch)

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