Monthly Archives: August 2008

Guy Candy

Guy Candy

Sexismus funktioniert gegenseitig, und beide Geschlechter werden am Ende die Verlierer sein, wenn wir in den starren Regeln verharren, ohne Freiraum zu spielen, wachsen und sich weiterzuentwickeln. Ein junger Kerl hat mir eine E-Mail geschrieben, die mich sehr berührt hat und klar gemacht hat, wie sehr manche Männer die Tatsache hassen, dass sie sich nicht physisch von Frauen begehrt fühlen. Die Annahme hält noch immer vor, dass ein nackter Mann oder ein Penis „hässlich“ und nicht begehrenswert sei – es sei denn, man ist schwul. Der Typ, der mir geschrieben hat, sehnt sich danach, ein Objekt der weiblichen Begierde zu sein. Er schrieb:

“Ich bin 18 Jahre alt, männlich und komme aus Italien. Ich habe eine große Frage: Sind Frauen visuell oder nicht? Und können sie durch einen gut geformten männlichen Körper stimuliert werden? Es macht mich sehr traurig, wenn ich lese, dass Männer visuell, Frauen aber emotional funktionieren, Männer Pornos schauen, Frauen aber nicht. Es macht mich auch traurig, wenn ich sehe, wie Frauen sexy Klamotten tragen, die Männer selbst das aber nicht tun. Genießen Frauen wirklich nur Streicheln und romantische, emotionale Dinge und die männliche Körperform macht sie nicht an? Es ist für mich ein sehr trauriges Gefühl, dass meiner Freundin mein Körper egal ist, selbst wenn ich mich ihr völlig nackt zeige. Ich liebe und fühle mich von jede Zelle ihres Körpers angezogen, von ihrem Kopf bis zu ihren Zehen, und ich vergöttere ihre Seele. Es ist ein echt schlechtes Gefühl, dass man uns Männer für weniger attraktive und „niedere“ Kreaturen hält. Ich hoffe, dass nicht alle Frauen so denken. Ich habe niemanden außer dich gefunden, den ich fragen konnte, und ich weiß, dass du ehrlich sein wirst …“

Ich glaube, es ist endlich Zeit, dass es Frauen erlaubt ist, Männer gelegentlich als „Guy Candy“ zu sehen. Frauen können es genießen, die Voyeure zu sein und die Männer bekommen einen Eindruck davon, wie es ist, wenn man sich begehrt fühlt. Voyeurismus muss nicht ausbeuterisch oder erniedrigend den Objekten der Begierde gegenüber sein. Deshalb zeige ich in meinen Filmen „Female Fantasies“ und „Feeling It!“ eine männliche Solo-Masturbationsszene. Es ist faszinierend, wie einzigartig jeder Mann ist und sich selbst auf seine eigene Weise anfasst. Ich sehe gerne Männer in Aktion, und von dem Feedback, dass ich von meinem weiblichen Publikum bekomme, kann ich sagen, dass viele Frauen ebenfalls dieses rare Vergnügen genießen. Besonders die Heterofrauen finden es langweilig, immer so viel weibliche Masturbation präsentiert zu bekommen. Sie wollen Kerle sehen, weil es das ist, was sie anmacht. Ich glaube, dass eine Menge Männer gerne ab und zu mal in die Rolle des „Objekts“ schlüpfen würden anstatt immer der Jäger zu sein und sich selbst nicht begehrt oder geschätzt zu fühlen. Daher sagte ich dem jungen Mann, dass JA, Frauen begehren Männer physisch. Aber bislang gab es nicht viel für uns zu sehen (außer Schwulenpornos). Die meisten Frauen mögen Männerkörper. Meine persönlichen Favoriten (jenseits vom Offensichtlichen) sind: die Lippen, die Brust, die Hände und der Hintern. Ich liebe es, wenn mein Freund für mich mit seinem Arsch wackelt, wenn er vor mir die Treppe hochgeht. Und es nervt mich, dass man das „sonderbar“ finden würde, wenn man uns dabei sähe. Falls sich manche von euch Kerlen da draußen fragen, ob sie es wagen sollen, würde ich sagen: Los, tobt euch aus und strippt für sie oder lasst sie euch beim trainieren oder duschen zusehen oder wenn ihr mit euch spielt. Wenn es uns gelingt, ab und zu die Rollen zu wechseln, werden wir befreiter und flexibler werden. Die Scham ist vorbei und das gilt für Frauen und Männer.

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Headlines from Amsterdam

Petra Joy at Mail and Female

Ich bin grade von einem total aufregenden Wochenende in Amsterdam zurück. Ich war von dem Team von „Mail and Female“ eingeladen worden, einem exzellenten, von Frauen geleiteten Sexshop, um einen Vortrag darüber zu halten, wie man seinen eigenen kreativen Porno dreht. Der Workshop war „nur für Frauen“ und innerhalb weniger Tage ausverkauft. 45 Frauen kamen, um sich inspirieren und bekräftigen zu lassen, und es freut mich, dass ich mein Wissen als Filmemacherin und auch meine persönlichen Erfahrungen als Regisseurin in einer weitgehend von Männern dominierten Industrie weitergeben kann. Es gibt Tipps und Hintergrundwissen, das man auf keiner Filmschule lernt, und ich unterstütze gerne andere Frauen, die frisch losziehen, um ihre Vision weiblicher Erotika zu produzieren. Erst wenn 50 % der (Erotik-)Filme von Frauen gemacht werden, werden wir eine ausgewogenere Repräsentation von männlichen und weiblichen Begierden erreichen. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Ich möchte dem Team von “Mail and Female” dafür danken, dass sie mich eingeladen haben, und all den Frauen, die gekommen sind und ihre Gedanken und Ideen mit mir geteilt haben. Ich hoffe, dass als Ergebnis meines Workshops und der Kreativität der aufstrebenden Regisseurinnen viele aufregende Kurzfilme gedreht werden.

Es gab einen massiven Medien-Hype um meinen Besuch. Ich kann mich nicht daran erinnern, wie viele Interviews ich genau gegeben habe, aber es war super aufregend, am Montag zum Kiosk zu gehen und die Zeitungen aufzuschlagen. Das wunderbare Team von „Mail and Female“ und ich waren bei zwei führenden niederländischen Tageszeitungen auf den Titelseiten und noch dazu komplett in Farbe. Außerdem wurde in verschiedenen Fernsehsendern über uns berichtet. Es ist super, dass die Botschaft, dass Frauen tatsächlich explizite Erotikfilme mögen, endlich ankommt.

Petra in the Press

Was mich bei der Presse überrascht ist, dass sie alle Pornografinnen gleich zu porträtieren scheinen. In Wahrheit sind wir doch alle total verschieden und einzigartig, auch wenn einige von uns ähnliche Visionen oder visuelle Stile teilen. Es gibt da draußen Regisseurinnen, die die Pornoregeln brechen, die weibliche Lust in den Fokus rücken und neue Wege finden, um Orgasmen zu zeigen. Andere machen Pornos, die den Mainstreamregeln folgen – inklusive des obligatorischen Money-Shots am Ende jeder Szene.

Es ist fast so, als ob die Medien versuchen, uns in Schach zu halten indem sie uns in eine Schublade mit der Aufschrift “weibliche Pornografin” stecken und annehmen, dass wir alle die gleichen Dinge mögen und tun. In Wirklichkeit sind wir Individuen mit verschiedenen Geschmäckern und Stilen. Ich begrüße die große Bandbreite, die zur Zeit von Frauen produziert wird, und würde mir wünschen, dass sich die JournalistInnen die Zeit nehmen würden, die Filme der Regisseurinnen, über die sie schreiben, wirklich anzusehen. Dann wären sie in der Lage zu verstehen und zu wertschätzen, wie unterschiedlich unsere Visionen von Erotika sind und dass das Geschlecht einer Regisseurin nicht automatisch einen bestimmten Stil hervorbringt. Es sind eine Menge unterschiedlicher Frauen da draußen mit unterschiedlichen erotischen Vorlieben. Es wird Zeit, dass sie alle Stoff zum Nachdenken finden können.

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Rits! Magazine, August 2008

Rits! Magazine
Ganzseitiger Beitrag über Petra. (niederländisch)

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