Monthly Archives: September 2008

Behind the scenes

Maria Beatty

„Action!“ ruft Maria, und die elf Mitglieder ihres Teams und der DarstellerInnen kommen in Gang. Ich sehe staunend zu, wie Maria Beatty ruhig, geduldig und in voller Kontrolle über den Set ihres neuesten Films „Bandaged“ bleibt. Sie hat einen strengen 12-Tage-Plan, an dem sie ihren ambitionierten Spielfilm in Potsdam bei Berlin dreht. In den letzten zehn Jahren hat Maria über 20 künstlerische lesbische Fetischfilme produziert und Regie geführt. Dies ist ihr zweiter Langfilm – ihr Versuch, eine künstlerische Präsentation von lesbischer Sexualität auf die Leinwand zu bringen. Sie hat vor, ihren Spielfilm auf der „Berlinale“ einzureichen, und ich wünsche ihr viel Glück. Sie ist so eine versierte Filmemacherin und verdient es, von einem großen Publikum gesehen zu werden.

Es ist toll zu sehen, wie sich die Grenzen zwischen Pornos und Kunst immer weiter verwischen. „Districted“, „Nine Songs“ und „Shortbus“ waren alles Filme, die expliziten Sex gezeigt haben, aber weil sie das BBFC (British Board of Film Classification) als „Kunst“ eingestuft hat und nicht als „Pornografie“, wurden sie einem großen Publikum zugänglich gemacht, das ein unabhängiger Film mit dem Label „Hardcore-Porno“ nie erreichen könnte. Wenn ein Film mit einer 18 statt einer R18 („restricted/mit Einschränkungen“ und daher nur in lizenzierten Sexshops erhältlich) ausgezeichnet wird, öffnen sich Tür und Geist.

Ich habe Maria auf dem Set für meine Dokumentation „Women on Top“ gefilmt und bin wirklich dankbar dafür, dass ich am zweiten Drehtag auf einem so intimen Set sein durfte. Als echte Unabhängige beschützt Maria ihre Inhalte und ihren Stil mit scharfen Klauen. Für mich ist das eine Garantie dafür, dass dieser Film umwerfend sein wird – keine Kompromisse, um in den Mainstream zu passen. Ihre Vision einer lesbischen Liaison, die sich in einem Krankenhaus abspielt, ist eine einzigartige Umsetzung des Krankenschwester-Patient-Themas. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass der Film auch ein kommerzieller Erfolg wird, weil man, wie alle unabhängigen FilmemacherInnen wissen – Preise nicht essen kann.

Weitere Infos über Maria und ihre Arbeit: www.bleuproductions.com

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The Big “M”

Petra and Belle

Die Atmosphäre war umwerfend: Zwei Stunden lang warteten wir und schauten zu, wie sich die Beleuchtung um die zwei „M“s veränderte, die neben der Bühne aufgestellt waren. Jedes Mal, wenn das Scheinwerferlicht auf die gigantische Uhr traf, jubelte die Menge. Wir waren gekommen, um Madonna im riesigen open-air Olympiastadium in Berlin aufsteigen und strahlen zu sehen.

Meine gute Freundin und Covergirl von „Feeling It!“, Belle, ist halb so alt wie ich und daher ein neuer Madonna-Fan, wo ich schon seit zwanzig Jahren ein Fan bin. Ich habe immer noch das origniale „Sex“-Buch, das Madonna weit vor ihrer Zeit herausgebracht hat – ein Bildband von Erotika für Frauen. Mir gefallen starke Frauen, die ihr eigenes Ding machen und es zulassen, sich zu verändern und zu wachsen. Mein Lieblingsteil der Show war, als Madonna „She is not me“ sang, ein Lied über Nachahmerinnen, und anfing, Abbildungen von sich selbst aus früheren Zeiten auf der Bühne zu enthüllen. Keine „like a virgin“- oder “material girl”-Madonna mehr. Nur die Madonna des Jetzt existiert in der Gegenwart, wie sie energiegeladen in Arbeitsklamotten herumhüpft oder weich und feminin ist, eine zigeunerhafte Heldin.

Big M

Für mich ist nichts schlimmer als wenn man mich als einen bestimmten Typ von Person abstempelt und dann erwartet, dass ich für immer so bleibe. Ohne Möglichkeit zur Neuerfindung. Das ist erdrückend. Die Presse hält die Tatsache, dass ich in den 80ern in der Anti-Porno-Bewegung aktiv war, für einen Widerspruch dazu, dass ich zwanzig Jahre später Pornos aus Frauenperspektive mache. In Wahrheit ist das, was ich heutzutage mache, organisch aus dem gewachsen, was ich in den 80ern getan habe. Positive Alternativen anzubieten anstatt gegen etwas zu sein ist das, was ich grade machen will. Zu wissen was man genau will, kommt mit der Reife. Ich weiß in meinen Vierzigern mehr darüber, was ich will und fühle mich viel stärker darin, es zu erreichen als in meinen Zwanzigern. Dann wiederum wird von uns erwartet, dass mir mit zunehmendem Alter ruhiger werden und in den Hintergrund verschwinden – aber das wird nicht passieren. Immer mehr „Frauen mittleren Alters“ stellen sicher, dass sie gehört und gesehen werden.

Das hier hat mich am meisten von allen Pressestimmen aufgeregt, die Madonna in den letzten Monaten bekommen hat: 90 % war negativ und schlug vor, dass sie sich nun, da sie grade mal 50 geworden war, „würdevoll zurückziehen“ solle. Als sie mit Justin Timberlake getanzt hatte, wurde gesagt, das sei „obszön“ und „sie könnte seine Mutter sein“. Sexuelles Charisma und Chemie bei Frauen über 40 scheint ein großes Tabu zu sein, und Madonna versucht es zu brechen indem sie tanzt, singt und sich einen Dreck drum kümmert. Gut so!

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The Gate to Life

Während ich in Berlin war, hatte ich endlich die Gelegenheit, Grit Scholz kennen zu lernen, die Fotografin und Herausgeberin des Buches „Das Tor ins Leben“. Grit hat für ihr bahnbrechendes Buch 65 Vulven aller Formen und Größen fotografiert, und ich habe sie für meinen Forum-Artikel über Vulven interviewt. Sie war aus diesem Grund motiviert, ihr Buch zu veröffentlichen:

„Es mangelt an Wissen darüber, wie Vulven wirklich aussehen. Frauen fühlen sich oft wegen ihren Scheide unbehaglich, weil mit unserem Geschlecht Unsicherheiten, Scham und Angst verbunden werden.“

Grit glaubt, dass kulturelle Konditionierungen vom Christentum bis hin zum Porno unsere Beziehung zur Scheide negativ beeinflusst haben:

“Die Scheide wurde im Christentum in dem Moment zum Tabu als uns gesagt wurde, dass eine Jungfrau Christus empfangen und geboren habe. Dieser Mythos reflektiert den Glauben, dass Sex dreckig sei. Das ist zwar eine uralte Sichtweise auf das weibliche Geschlecht und die Sexualität, aber die meisten von sind noch immer unterbewusst davon beeinflusst. Das Thema „Scheide“ ist heutzutage immer noch ein Tabu – niemand will es anrühren. Im krassen Gegensatz zu unserer religiösen Konditionierung ist die Pornografie ein Druckventil, das viele Menschen benutzen, um Dampf abzulassen und ihre körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Für mich ist die meiste Pornographie nicht mit unseren Seelen verbunden, da sie keine wahre Intimität mit anderen Menschen zeigt. Und deshalb können sie die meisten Menschen akzeptieren – sie ist weit von unseren Seelen entfernt und damit auch von unserer sozialen Konditionierung. Pornografie zeigt in der Regel nur eine Art von Scheide: unbehaart und klein, fast mädchenhaft, statt die Vulva einer erwachsenen Frau. Was ich mit meiner Arbeit erreichen möchte ist, Körper, Geist und Seelen zu vereinen, wenn wir uns unserer Sexualität und Genitalien nähern.“

Petra and Grit

Ich habe Grit bei einem Netzwerk-Event getroffen, wo 45 Frauen aus ganz Deutschland zusammengekommen waren. Wir haben uns in einem luxuriösen Sauna-/Wellness-Tempel in Berlin getroffen. Ich hatte gehofft, wir würden alle ungezwungen in Bademänteln rumhängen oder sogar mal eine entspannende Saunasitzung abhalten, um das Eis zu brechen. Das passierte aber nicht. Die meisten Frauen waren durchgestylt, und es wurde über erzwungene Nacktheit usw. gewitzelt. Als Grit also erklärte, was sie machte und ihr augenöffnendes Buch herumreichte, hörte man die Frauen auf allen Seiten geschockt nach Luft schnappen.

Sogar oder besonders heutzutage, in einer Zeit, in der wir überall von sexuellen Bildern umgeben und angeblich so befreit sind, bleiben Schlüssel-Tabus erhalten. Grit will die Frauen frei machen und bestärken.

“Es gab bereits Ansätze, Licht in die Tabubereiche zu bringen, besonders während der 68er-Revolte, als sich die Frauen in Gruppensitzungen trafen, um gegenseitig ihre Vulven zu betrachten und ihre eigene mithilfe eines Spiegels anzusehen. Befreiung braucht Zeit, aber jetzt ist die Zeit gekommen, weil immer mehr Frauen bereit sind, ihr Geschlecht genau unter die Lupe zu nehmen und ihren Blick auf ihre eigene Vulva zu verbessern. Wenn der Kontext eines Themas verbessert wird, ist es uns möglich, unsere Emotionen und unseren Standpunkt zu ändern anstatt den nachfolgenden Generationen die veralteten Muster zu wiederholen.“

Mehr Infos über Grit und das Buch findet ihr hier: www.lebensgut-verlag.de

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