Monthly Archives: Januar 2009

Onwards and upwards

Petra Joy

Das waren ein paar aufregende Wochen: Ich habe non-stop an meiner Kompilation „HER PORN“ gearbeitet. Kein Tag ist vergangen, an dem ich nicht mit einigen der fantastischen Regisseurinnen geredet hätte, die auf dieser DVD vorgestellt werden. An einem Tag plaudere ich mit Candida Royalle und am nächsten rede ich mit Maria Beatty oder e-maile Shu Lea Cheang. Ich spüre, dass die anderen Regisseurinnen mehr sind als nur Kolleginnen, sie sind nämlich gute Freundinnen geworden. Und es ist so erbaulich, dass wir uns nun alle regelmäßig gegenseitig unterstützen, z.B. wenn es um Vertriebsangelegenheiten geht.

 

Es ist mir eine Ehre, so eng mit solch talentierten Frauen zusammen zu arbeiten. Ich bin so glücklich, dass alle, auf die ich zugegangen bin, der Kooperation zugestimmt haben und Teil dieser Kompilation geworden sind. Sie wird wirklich sehr besonders sein und zeigt seltene Diamanten der von Frauen gemachten Erotika. Ich bin besonders stolz, dass die Doppel-DVD auch Interviews mit allen Filmemacherinnen enthalten wird. Auf diese Weise wird den ZuschauerInnen nicht nur ermöglicht, all die vielen unterschiedlichen künstlerischen Handschriften zu genießen, sondern auch die Philosophien der jeweiligen Filmemacherinnen zu verstehen. Es scheint mir, dass die Philosophie hinter den Filmen essenziell ist, wenn es um Pornos für Frauen geht, und dass Frauen wissen möchten, was das für Regisseurinnen sind.

 

Ich hoffe, dass diese Kompilation nicht nur in lizenzierten Sexshops verkauft wird sondern auch als Unterrichtsmittel in Seminaren über „Feminismus und Porno“ genutzt wird, die derzeit an vielen europäischen Universitäten gehalten werden. Ich bin von sechs verschiedenen Menschen angesprochen worden, die ihre Magisterarbeiten über die weibliche Perspektive auf Pornos schreiben. Pornos von und für Frauen sind extrem relevant, weil sie Teil eines feministischen Kampfes für Gleichberechtigung sind. Endlich Filme verfügbar zu haben, die repräsentieren, wie wir Frauen unsere Sexualität oder die Männer sehen anstatt immer nur mit sexuellen Bildern überschüttet zu werden, die von und für Männer produziert wurden, ist ein weiterer Schritt in Richtung sexueller Gleichberechtigung und Befreiung. Frauen fühlen sich bekräftigt, wenn sie natürlich aussehenden Darstellerinnen zuschauen, wie sie oral befriedigt werden, und sie genießen es, sich zurückzulehnen, eine Voyeurin zu sein und einem Mann dabei anzuschauen, wie er strippt und mit sich spielt. Aber auch die Männer (die dafür bereit sind) können inspiriert werden - ihnen wird endlich ein realistischeres Bild weiblicher Wünsche und Fantasien gezeigt. Wenn wir also offen sind für einen Wechsel, dann ist die Situation für beide Seiten gewinnbringend.

 

Ich habe für diese Kompilation große Hoffnungen. Ich möchte gerne klarstellen, dass es da nicht nur ein paar Frauen gibt, die Pornos drehen, sondern dass dies ein aktuelles Phänomen ist. Tatsächlich gibt es sehr viele von uns, und einige Frauen produzieren nun schon seit Jahrzehnten Pornos für Frauen und führen Regie. Bislang war es für uns alle schwer, einen Vertrieb zu finden, daher wurden wir weder gehört noch gesehen. Ich möchte das ändern. Einige der Filmemacherinnen, die auf der Kompilation vorkommen, haben noch keinen europäischen oder britischen Vertrieb, und indem ich ihre Meisterwerke mit einschließe, will ich sie mit auf die Landkarte der Entdeckungen bringen. Der Entdeckung der weiblichen Sexualität und Erotikkunst.

 

Abgesehen vom harten Arbeiten an dieser außergewöhnlichen Kompilation, habe ich mir außerdem im Fittnessstudio den Arsch abgearbeitet. Ich habe endlich Geld investiert, um einem hervorragenden Studio mit Pool beizutreten und verbringe jede freie Minute dort: Ich stemme Gewichte bis ich Muskelkater bekomme und schwimme wie eine echte Nixe, ich schwitze und tanke gleichzeitig auf. Ich habe es außerdem aufgegeben, Fleisch zu essen (ich war 25 Jahre lang Vegetarierin, doch irgendwie habe ich mir die letzten Jahre bei all dem Stress und dem recht hektischen Arbeitspensum das Fleisch essen wieder angewöhnt) und Alkohol zu trinken. Nichts davon fühlt sich wie ein Opfer an sondern vielmehr wie ein frischer und sauberer Start. Ich fühle mich super, stark und positiv. Indem ich auf mich achte, spüre ich, dass ich meinen Projekten und all den wundervollen Menschen, mit denen ich in Kontakt stehe, mehr geben kann. Ich hungere nach mehr: Leben und Liebe, Kreativität und Abenteuer, Erfüllung und Freude. Ich glaube wieder: Die Zukunft ist strahlend und sie hat genau jetzt angefangen.

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EAN Magazine, Januar 2009

EAN Magazine
Der zweite Teil eines Sonderbeitrags, in dem Petra erörtert “was Frauen wollen”. (englisch)

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