Monthly Archives: März 2009

Spring Magic

Petra Joy

Es stellt sich heraus, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie ich dachte. Ich habe Rückmeldung von meinem Anwalt und er unterrichtete mich, dass Titel tatsächlich copyright-geschützt sind – selbst wenn sie nicht registriert wurden.

Puh, was für eine Erleichterung!!! Er wird nun an meiner Stelle agieren und sicherstellen, dass dieser Pornofilm nicht unter meinem Titel vertrieben wird (zumindest in Deutschland).

Manchmal fühle ich mich von der „großen“ Industrie einfach erschlagen, etwa wie ein kleiner David und sie sind der Goliath. Dieses Szenario trifft oft genug zu, aber nicht immer; es gibt so etwas wie Gerechtigkeit und ich bin so froh, dass das Gesetz auf manchen Wegen kreative Menschen davor beschützt, abgezockt zu werden.

Es ist also alles gut heute. Die Sonne scheint in meinem Garten, meine Kaninchen sind verspielt und ich lächele wieder.

Genießt diese Osterglocken-Tage und die Frühlingsmagie!

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The battle for distribution

Petra Joy

Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass mein neuester Film “Her Porn” – eine Kompilation von einigen der besten Pornos von und für Frauen – so gut wie fertig ist. Das ist eine bittersüße Zeit. Es ist gleichzeitig ein Höhe- und ein Tiefpunkt, ein Projekt zu beenden, an dem ich nun fast ein Jahr lang gearbeitet habe. Es ist so aufregend, endlich einen großartigen Film in meinen Händen zu halten, unterfüttert durch die zweite Disk, auf der Interviews mit all den Filmemacherinnen sind, die ich letztes Jahr in ganz Europa gedreht habe. Es floss so viel Reise- und Sichtungszeit in diese Veröffentlichung, dass ich es nicht abwarten kann, sie mit der Welt zu teilen und den Filmdiamanten, die ich „entdeckt“ habe, die Öffentlichkeit zukommen zu lassen, die sie verdienen.

Es sit gleichzeitig eine traurige Zeit, weil nun die kreative Arbeit, die ich genieße, vorbei ist und der Kampf um den Vertrieb beginnt. Nun geht es ganz darum, Geschäftsfrau zu sein und mit den Einkäufern über Zahlen zu verhandeln, die der Inhalt überhaupt nicht interessiert.

Ob ihr es glaubt oder nicht, 90 % der Einkäufer in der Erotikindustrie schauen sich die neuen DVDs nicht an oder lesen noch nicht mal die Pressemitteilung. Sie kaufen einen neuen Film einfach wegen des Covers und des Profits, den sie sich von diesem Produkt erhoffen. Da ich aber ich bin (eine leicht obsessive Perfektionistin), habe ich einen Spielfilm geschaffen, der 110 Minuten lang ist (anstatt ihn in zwei Teile zu teilen), dazu eine Bonus-DVD mit 90 weiteren Minuten Inhalt und habe ein vierseitiges Booklet entwerfen lassen, um weitere Informationen über die Filmemacherinnen bereit zu stellen. Es ist eine luxuriöse Doppel-DVD-Edition, auf die ich stolz bin.

Das interessiert oder kümmert die Einkäufer aber gar nicht. Sie bieten den gleichen Großhandelspreis für diese Doppel-DVD an, den sie auch für einen billig produzierten Gonzo-Film auf einer Einzel-DVD zahlen. Und sie zwingen mich, für die Differenz aufzukommen. Es hilft auch nicht sonderlich, dass die Kosten für die DVD-Duplikation um fast 30 % gestiegen sind, gleichzeitig aber die Großhändler den niedrigsten Preis bieten und die kleinsten Bestellungen machen seit ich im Geschäft bin. Es sind harte Zeiten und so fangen die schlaflosen Nächte an – mich im Bett hin und her wälzen und mich darum sorgen, ob ich in der Lage sein werde, die große Geldsumme, die ich in diese Veröffentlichung investiert habe, wieder reinzuholen, und, viel wichtiger, ob ich in der Lage sein werde, Gewinn zu machen, damit alle beteiligten Filmemacherinnen ein paar ordentliche Tantiemen bekommen?

Es ist wenig überraschend, dass momentan so wenige Qualitätsprodukte produziert werden, wenn niemand an ein Spitzenprodukt glaubt sondern alle Billigware kaufen wollen um in kurzer Zeit massig davon zu Schleuderpreisen verkaufen zu können und einen deftigen Gewinn zu machen. Das (weibliche) Publikum mag sich nach Qualität und Inhalten sehnen und sie wertschätzen, aber wenn die Macher der Industrie nicht bereit sind, den Preis für diese Art von Filmen zu bezahlen, dann werden ProduzentInnne wie ich einfach nicht mehr in der Lage sein, diese Qualität auch weiterhin zu produzieren.

Ich habe mich gefragt, warum ich so einen langen Spielfilm machen und all die Interviews filmen musste und ein Booklet machen, wenn es so viel billiger und leichter gewesen wäre, einfach einen kurzen Film auf einer einzigen Disk zu produzieren. Ich habe das gemacht, weil ich glaube, dass es das ist, was die FilmemacherInnen verdienen und die (weiblichen) ZuschauerInnen wollen und genießen. Frauen identifizieren sich mit den Filmemacherinnen und wollen herausfinden, was ihre Vision ist, und weil diese Informationen bislang auf keiner DVD verfügbar waren, fand ich es wichtig, sie zu machen. Ich habe sie gemacht, weil ich es genossen habe, sie zu machen. Ich liebe die Arbeit an der Intro-Animation und das bewegliche Menü und jeden einzelnen kurzen Film selbst zu besprechen.

Ich bin verrückt nach Rüschen und Schnörkeln. „Schnörkellos“ langweilt mich. Es ist dieses kleine Extra, die Glasur auf dem Kuchen, worin ich gut bin. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals ein Produkt zu veröffentlichen nur mit der Gewinnspanne im Blick und nichts anderem. Das wäre das Ende von dem, woran ich glaube. Das wäre das Ende vom Joy. Ich könnte genauso gut Autos verkaufen. Und das wird nicht passieren.

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Beware of cheap imitations

Petra Joy

Während ich so das aktuelle Heft eines Erotikhandel-Magazins lese, stoße ich auf einen Neuerscheinungskatalog einer deutschen Vertriebsgesellschaft. Ich habe meinen Augen nicht getraut als ich sah, dass das Unternehmen „12 Sextuary“ einen Film mit dem Titel – „Female Fantasies“ – herausbringt, dem exakt gleichen Titel wie mein preisgekrönter Film, den ich 2007 veröffentlicht habe. Man sollte annehmen, dass das erste, was man als Produzent macht, wenn man einen Film raus bringt eine Google-Suche ist, um zu sehen, ob der Titel bereits existiert. Ich hatte meinen Film ursprünglich „Art-core“ nennen wollen – ein Begriff, den ich mit auf den Weg gebracht habe, aber ich fand heraus, dass in den Staaten bereits eine Reihe von Pornofilmen mit dem gleichen Titel existierten, und so kam ich auf den neuen Titel – „Feeling It“ -, einfach um bei den KäuferInnen Verwechslungen auszuschließen. Einer der Titel, den ich mir für meine nächste Kompilation „Her Porn“ ausgedacht hatte, war „Clitflixx“, bis ich herausfand, dass es in Deutschland bereits ein lesbisches Film-Label mit dem Namen „Clitclips“ gibt. Ich habe sie kontaktiert und ihnen gefiel die Idee nicht besonders, dass ich den ähnlichen Begriff „Clitflixx“ benutzen wollte – es versteht sich von selbst, dass ich ihre Wünsche respektierte. Es ist weder leicht noch billig, einen Titel schützen und patentieren zu lassen, aber ich fange an, es für eine weise Entscheidung zu halten – besonders wenn jemand meine Titel für völlig andere Zwecke benutzt als ich im Sinn hatte.

Ich könnte natürlich mit einem Buch über “Female Fantasies” leben, das auf authentischen weibliche Fantasien beruht oder mit einer Dokumentation mit dem Titel, aber einen von Männern gemachter Mainstream-Hardcorefilm, der männliche Fantasien zeigt „Female Fantasies“ zu nennen, ist eine Farce.

Ich bin natürlich besorgt, dass viele Sexshops nicht die originalen “Female Fantasies” verkaufen warden sondern die Mainstreamversion mit „Schlampen, die …“ (ihr Werbetext). Nachdem meine „Female Fantasies“ so ein großes Presseecho bekommen haben und der Titel gut bekannt wurde, sorge ich mich, dass Leute, die in einen Sexshop gehen und die männliche Version von „Female Fantasies“ in der Annahme kaufen, dass es sich um meinen Film handelt, bitterlich enttäuscht sein werden über die endlose Parade von Genitalien in Nahaufnahmen und Cum Shots – und annehmen, dass es das ist, was ich als „Female Fantasies“ verkaufe.

Ich bin in der (deutschen) Erotikindustrie gut bekannt und habe daher meine Vermutungen, dass dieser Titel absichtlich gewählt wurde, um auf die positive Aufmerksamkeit aufzuspringen, die ich und dieser Film erfahren haben.

Ich bin wütend und enttäuscht und fühle mich hilflos, weil ich nicht glaube, dass meine rechtliche Position stark genug ist, um sie zu einer Änderung des Titels zu bewegen, bevor die DVD in die Läden kommt. Jetzt bin ich besorgt: Was wird als nächstes kommen? Eine Petra-Joy-Webseite mit einer obskuren Erweiterung, die ich nicht bedacht habe zu registrieren, auf der die extremsten Gonzo-Pornos gezeigt werden? Dann wiederum sagen manche Leute, dass es eine Art Kompliment ist, wenn man kopiert wird …

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This is a man’s world – even on international woman’s day

International woman's day

Wir schreiben das Jahr 2009 und man würde annehmen, dass wir in Sachen geschlechtlicher Gleichberechtigung schon viel erreicht haben, aber die Zeitungen sind voll mit Berichten über Gewalt gegenüber Frauen – sie passiert die ganze Zeit auf vielen verschieden Ebenen auf der ganzen Welt. Jedes Mal wenn ich lese, dass Frauen angegriffen werden, vergewaltigt, verletzt – wird mir bange ums Herz und ich wünschte, ich könnte mehr tun als nur ein Bewusstsein zu schaffen und jährlich für eine örtliche Anlaufstelle für geschlagene Frauen zu spenden.

Es hat sich nicht viel geändert, wenn die Leute auf den Klatsch-Webseiten Rihanna beschuldigen, ihren Freund „provoziert“ zu haben, dass er ihr Gesicht grün und blau schlägt. Wann werden die Menschen erkennen, dass eine Frau wirklich nichts tun kann was es rechtfertigen würde, dass sie verprügelt, vergewaltigt oder getötet wird? Wann werden die Aggressoren Verantwortung übernehmen?

Dann wiederum gilt “Vergewaltigung” in manchen Ländern nicht als Verbrechen. In Haiti war es bis 2005 kein Verbrechen. Es stand der ganzen (männlichen) Gesellschaft aller sozialen Schichten frei. Als ob die Frauen nur da wären, um benutzt zu werden, wenn irgendein Typ grade Lust auf gewalttätigen Sex hat oder darauf, einen anderen Menschen zu degradieren. Als ob Frauen nur da wären, um die Männer zu befriedigen – ohne eigenen Willen oder Wahlmöglichkeit. Wenn es keine Strafe gibt, kann es kein Verbrechen geben. Und wenn es kein Verbrechen ist, einen Frauenkörper zu vergewaltigen und zu verletzten und ihren Willen zu brechen, dann degradiert dies die Frauen zu Fleischstücken, die nicht besser als Vieh sind. Obwohl Vergewaltigung nun ein offizielles Verbrechen in Haiti ist, finden Vergewaltigungen im großen Stil weiterhin regelmäßig statt: die Hälfte aller Frauen, die in den Slums von Port-U-Prince leben, sind von bewaffneten Gangmitgliedern vergewaltigt worden. Und die Regierung unternimmt wenig, um die Täter zu bestrafen. Eines der größten Probleme ist, dass ebenjene Männer, die das Gesetz durchsetzen und die Frauen davor schützen sollten, Opfer zu werden, oft selbst Vergewaltiger sind: die Polizisten.

Amnesty International hat nun eine Online-Petition gestartet, um gegen die hohe Vergewaltigungsrate in Haiti zu protestieren – bitte unterstützt ihre Online-Petition. Je mehr Menschen sich dieses Themas bewusst sind und ihre Meinung äußern, desto besser. Wir kümmern uns, also lasst uns unser Meinung sagen – ansonsten wird sich nichts ändern: http://www.tinyurl.com/c5ohzm. Bislang haben nur 229 Menschen unterzeichnet, so wenige Minuten deiner Zeit können einen echten Unterschied machen.

Leider ist die Pornoindustrie noch immer schuld daran, dass Filme, die Frauen degradieren wie am Fließband hergestellt werden – und es scheint, dass sich viele Männer nur wohl in ihrer Haut fühlen, wenn sie als überlegenes Geschlecht dargestellt werden, diejenigen, die die Kontrolle übernehmen und Frauen (Schlampen) in ihre Schranken weisen (nach unten). „Friss Dreck, Schlampe“. „Sie kriegt, was sie verdient“. Das sind kraftvolle Botschaften, die nur bekräftigen, wie eh schon sexistische Männer über Frauen denken und sie möglicherweise auch behandeln.

Ich werde nie meine ersten Erfahrungen mit frauenfeindlichen Pornos vergessen. Als Feministin in den 80ern, also die erste PorNO-Kampagne startete, wollte ich herausfinden, worum es in Pornos ging. Ich wollte nicht einfach nur gegen Pornos sein, weil ich Feministin war. Ich lieh mir 70 Pornofilme aus einer deutschen Videothek und schaute sie mir alle an einem Wochenende an. Ich war geschockt, dass die meisten Filme mehr oder weniger gewalttätig gegenüber Frauen waren, ob in Wort oder Tat. Ich werde einen bestimmten Film, den ich sah, niemals vergessen. Er hieß „Bondage Classics“ und zeigte körnige Kurzfilme in denen Frauen gefoltert wurden. Sie wurden gejagt, gefesselt, geschalgen und einer Frau wurden Ihre Brustwarze und ihre Lippen mit Stacheldraht aufgerissen. Das hatte nichts mit einverständlichem S/M-Spiel zu tun oder mit dem Genuss durch Rollenspiele der Unterwerfung und Dominierung. Dies war verherrlichte Gewalt gegenüber Frauen – entworfen, um Männer anzumachen. Obwohl ich mich anstrengte, ist mir nie gelungen herauszufinden, woher dieser Film kam – er sah aus wie ein echter Snuff-Film mit maskierten und gesichtslosen Männern, die Frauen quälten, die ernsthaft verängstigt aussahen. Man konnte sehen, dass die Frauen schrieen, aber man konnte sie wegen des alles übertönenden Horror-Soundtracks nicht hören. Dieser Film hat bei mir so einen starken Eindruck hinterlassen, dass er mich veranlasste, meine erste Dokumentation zu drehen, „Smash the Chains“, in der ich die Szenen der gefolterten Frauen mit Bildern von starken Frauen gegenschnitt, die Selbstverteidigung praktizierten. Ich wählte James Browns Musik als Soundtrack für diesen Film:

“This is a man’s world but it would be nothing, nothing without a woman or a girl!”

(„Dies ist eine Männerwelt, aber sie wäre nichts, nichts ohne eine Frau oder ein Mädchen!”)

Ich freue mich auf den Tag, an dem der Internationale Tag der Frau eine Feier der Weiblichkeit sein wird, weil wir nicht mehr länger gegen die Gewalt gegenüber Frauen ankämpfen müssen. Die Gewalt, die noch immer jeden Tag auf so vielen Ebenen geschieht.

Eines Tages wird es geschehen.

Ich habe einen Traum …

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Women behind the camera!

Petra Joy

Wusstet ihr, dass nur 6 % der Hollywoodregisseure weiblich sind und keine Regisseurin jemals einen Oscar gewonnen hat? Dieser Prozentsatz ist sogar noch geringer, wenn es um Erotikfilme und -preise geht – Frauen, die bei Sexfilmen Regie führen und dafür Preise in der Erotikindustrie gewinnen, sind immer noch eine winzige, kreative Minderheit.

Unser ganzes Leben lang wird uns eingetrichtert, dass “Frauen einfach nicht visuell” seien. Es ist eines der nervigsten Vorurteile, die ich je gehört habe. Als Fotografin und Filmemacherin bin ich höchst visuell und bin es immer gewesen. Meine erste Kamera habe ich zu meinem 6. Geburtstag bekommen und habe viele Wochenenden meiner Jungendjahre in der Dunkelkammer damit verbracht, meine Fotos zu entwickeln. Dann wiederum hatte ich das Glück, dass mir meine Eltern niemals gesagt haben, dass ich als Frau nicht visuell wäre sondern mir eine große Auswahl an visuellen Künsten nahegebracht haben und mich vor allem darin unterstützt haben, mich selbst mit meinen eigenen Bildern auszudrücken.

Ich glaube der Grund, warum viele Frauen eher einen Bezug zur Literatur anstatt zu Filmen haben – seien es Pornos, Dokumentationen oder Spielfilme – ist nicht, dass sie “nicht visuell sind” sondern weil die meisten der Filme, die wir sehen, von Männern produziert und gedreht werden. Sie zeigen eher Helden als Heldinnen und zeigen die Welt durch die Augen eines Mannes. Ganz egal ob Porno oder Spielfilm – diese Filme drücken nicht aus, wovon Frauen träumen und worüber sie fantasieren, und daher können sich so viele von uns nicht mit ihnen identifizieren und schauen sie nicht gerne an. Wenn man ein Buch liest, kann man wenigstens im Geiste seine eigen Bilder kreieren, wenn man die Charaktere zum Leben erweckt und muss nicht konsumieren, wie ein Film die weibliche und männliche Hauptrolle darstellt. Es besteht so ein riesiger Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Blick. Wenn man einen Kameramann und eine Kamerafrau eine Modeshow filmen lässt, wird man anschließend völlig unterschiedliches Material erhalten. Dieser Unterschied in der Perspektive wird bei Pornos noch verstärkt, wo die weiblichen Fantasien oft das genaue Gegenteil der männlichen Hetero-Fantasien sind: Frauen möchten zwei Männer sehen, die mit ihnen einen Dreier machen, Männer wollen sehen, wie zwei Frauen einem Kerl einen blasen. Heteromänner wollen eine Frau masturbieren sehen oder zwei Mädels beim Sex; Heterofrauen wollen einen Mann masturbieren sehen und zwei Typen, die miteinander rummachen. Der Blick einer Heterofrau ist viel näher am schwulen Blickwinkel: für beide sind die Männer das Objekt der Begierde.

Seit Ewigkeiten waren Frauen immer das Objekt der Begierde, besonders in Pornos, und daher sorgt es jetzt für Aufregung in der (Porno-) Filmindustrie, wenn wir einen Mann in dieser Position sehen. In Wirklichkeit sind auch Frauen Voyeure, aber bis nicht immer mehr Frauen anfangen, Regie zu führen und Filme zu drehen, werden wir weiterhin die Welt aus einer männlichen Perspektive sehen.

Mich nerven die Pornos, die Frauen auf Leinwände für die männliche Ejakulation reduzieren, genauso wie die neue Welle der so genannten „Chick Flicks“ (die alle von Männern produziert und gedreht werden), wie z.B. „Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin“ oder „Er steht einfach nicht auf Dich!“, die Frauen auf hirnlose, hilfsbedürftige und schwache Wesen reduzieren, die nur einen Ehemann und das neueste Paar Designerschuhe suchen. Wo findet man auf der Leinwand und in Pornofilmen Repräsentationen von Frauen wir mir und meinen Freundinnen: erfolgreiche und unabhängige Frauen, die genau wissen, was sie wollen und es nicht dadurch bekommen, dass sie sich männlichen Fantasien davon unterwerfen, was es angeblich bedeutet, weiblich zu sein, sondern indem sie ihre eigenen Fantasien ausleben und ihre eigenen Träume wahr machen?

Wir leben in einer visuellen Zeit, in der wir die meisten Informationen und unsere Unterhaltung nicht über Wörter sondern über Bilder erhalten. Nicht zu wissen, wie man Bilder schafft, ist also eine Form des „Analphabetismus“ und macht die Frauen wort- und visionenlos. Über 50 % der Menschheit ist weiblich – in einer idealen Welt sollten also mindestens 50 % der Filme von Frauen geschaffen werden und die weibliche Perspektive auf das Leben, die Lebe und den Sex reflektieren.

Mit großem Stolz kann ich daher bestätigen, dass mich das Frauenfilmfest “Birdseyeview” in London eingeladen hat, an einer Podiumsdiskussion zum Thema “Sex auf der Leinwand” teilzunehmen. Das Fest, das Filmemacherinnen feiert, startet am 5.3. und meine Podiumsdiskussion findet in der ICA am 11.3. um 21 Uhr statt. Weitere Infos zum Filmfest gibt es hier: www.birdseyeview.co.uk

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