Monthly Archives: April 2009

Back from Cologne

Petra Joy

Ich bin aus Köln zurück und hatte einen Mordsspaß. Die drei Tage waren vollgepackt – als erstes besuchte ich die kleine Fachmesse EROTIKA, wo ich mit Händlern und Produzenten netzwerkte und für ein deutsches Fernsehprogramm mit dem Titel „Frauen reden über Sex gefilmt wurde. Ich hatte die Gelegenheit mich mit PJUR zu treffen, meiner Lieblingsmarke für Gleitmittel. PJUR hat „Her Porn“ mit Gleitmittelproben gesponsort („For Women“ – einem super Gleitmittel für die empfindliche Labialhaut ohne irgendwelche Konservierungsstoffe). Ich freue mich, dass sie auch die Veröffentlichung des Films „Free Love“ fördern werden, eines Films der amerikanischen Filmemacherin Marianna Back, den ich in ein paar Monaten in Europa veröffentlichen werde. Bei „Free Love“, der für eine glückliche, offene Beziehung wirbt, werden wir ein Kondom und eine Gleitmittelprobe beilegen. Hoffentlich werden die Frauen und Paare, die gerne experimentieren möchten, diese Geschenke in ihr Spiel einbauen. Lasst eure Phantasien wahr werden und passt auf euch und andere auf!

Es war außerdem großartig, Ian Marshall von dem britischen Unternehmen ROCKS-OFF wieder zu treffen. Sie haben vor ein paar Jahren mit einzig und allein dem „Rock Chick“-Spielzeug angefangen, haben inzwischen aber ein viel größeres Angebot. Ich habe zwei Leckerbissen rausgepickt, die ich wirklich empfehlen kann. Für mich selbst habe ich „The Lick“ ausgesucht – eine vibrierende Silikonzunge. Sie sieht aus wie eine stilisierte rote Flamme oder eine sehr lange und spitze Zunge und sie vibriert wie verrückt. Sie ist fantastisch, weil man sie für sich selbst oder als orale Stimulation benutzen kann, während man penetrierenden Sex hat (mit Spielzeugen oder einem Mann). Sie ist klein und weniger auffällig als ein dildoförmiger Vibrator, wiegt wenig und ist wasserdicht – ich nehme also an, dass ich sie bald mit in meinen Griechenlandurlaub nehmen werde?!

Es war mir eine Freude, mich mit zwei von Deutschlands innovativsten Herausgeberinnen von Frauenzeitschriften zu treffen: Nicole Rüdiger von „Jungsheft“ und Anja Braun von „Feigenblatt“. Beide Zeitschriften leisten Pionierarbeit in der Art, wie sie Sexualität in ihren Fotografien und Artikeln darstellen. Das „Jungsheft“ zeigt Fotos von heißen Jungs von nebenan mit Vollerektionen und Geschichten über weibliche Ejakulationen anstatt den neuesten Diäten-Wahn. Nicole ist eine echte Unabhängige, die sich weigert, bei dem Inhalt der Zeitschrift Kompromisse einzugehen, um einen großen Verlags-Deal zu bekommen – obwohl sie davon träumt, der weibliche Hugh Hefner zu sein! Das „Feigenblatt“ zielt auf Paare ab, die gerne erotische Geschichten lesen und zusammen erotische Fotos ansehen. Das „Feigenblatt“ war einst zensiert, weil es ein Foto mit zwei Männern zeigte, die einen Ständer hatten, der (grade) über 45 Grad war. Dieses schöne, körnige Schwarzweißbild wurde als „pornografisch“ eingestuft, und da das „Feigenblatt“ an fast allen Zeitungsständen in Deutschland erhältlich ist, war der „pornografische“ Inhalt illegal und alle 10.000 Exemplare wurde eingezogen und vernichtet. Diese und andere Geschichten werden in meiner nächsten Dokumentation über den weiblichen Blick auf Erotika vorkommen, für die ich diese zwei wunderbaren Frauen Anja und Nicole interviewt habe. Ich hoffe wirklich, dass beide Zeitschriften weiterhin erfolgreich sein werden und hoffentlich den europäischen Markt erobern. Das UK könnte weißgott ein paar subversive und sexy Zeitschriften für Frauen gebrauchen, die es wagen, Guy Candy zu zeigen und nicht seitenweise Werbung für irgendeinen Mist bringen, den wir nicht brauchen oder haben wollen …

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Guy Candy hits the mainstream

Allied Ad

Ich habe heute beinahe meine Soja-Latte auf das Sofa geprustet, als ich die Zeitung öffnete – dort gab es eine ganzseitige Werbung mit einem knackigen Typen, der einen Werkzeuggürtel trägt, und die Überschrift lautete „Ich bin umsonst“. Das war eine Anzeige für Allied Carpets, die einem den Teppich umsonst verlegen, wenn man ihn bei ihnen kauft. Wir sind so daran gewöhnt, Frauen und weibliche Körper zu sehen, die alles mögliche verkaufen – von Autoreifen bis hin zu Elektrowerkzeug -, dass es uns fast normal erscheint, wenn kostenloser Sex in den meisten Anzeigen ein Teil des Gesamtkonzepts ist.

Ich habe mich nie wohl dabei gefühlt, wenn Frauen zum Objekt gemacht werden – reduziert auf ihre Körper und von ihren Persönlichkeiten entledigt. Und es ist sicherlich keine Lösung, Männer zum Objekt zu machen, aber ist eine erfrischende Abwechslung, männliche Sexobjekte im Mainstream zu sehen. Es öffnet einem die Augen, wie es sich für eine Frau anfühlt, täglich mit Bildern von Frauen konfrontiert zu werden, die kostenlos verfügbar sind. Es reflektiert aber auch einen kulturellen Wandel, eine subtile Verschiebung von Frauen, die Voyeure sein wollen und es genießen, knackige Kerle anzuschauen und von ihnen zu fantasieren. Frauen als Subjekte und Männer als Objekte – zur Abwechslung mal.

Mir gefallen auch Pornoszenen, die die traditionelle Rollenwahrnehmung auf den Kopf stellen und darlegen, wie veraltet sie wirklich sind. Ich liebe die Szene „Not so tender is the night“ aus „Ecstatic Moments“ von Marianna Beck. Sie zeigt einen nackten Mann auf einer Bühne in einem Nachtclub, der von geilen Frauen angefeuert wird, die wollen, dass er mit sich spielt und kommt. All die Frauen im Publikum sind bekannte Feministinnen und verdiente Kämpferinnen der weiblichen sexuellen Befreiung, wie z.B. Betty Dobson und Candida Royalle. Ihr könnt diese bislang in Europa unveröffentlichte Szene auf meiner brandneuen Kompilation HER PORN sehen (die im Mai erscheint).

Ich habe soeben “Stud Hunters” neu gesichtet, Candida Royalles Meisterwerk über eine Pornoregisseurin und ihre Hauptdarstellerin, die sie losschickt, um den perfekten Hengst für die neue Filmproduktion zu finden. Die Casting-Szene ist urkomisch, mit einer großen Auswahl an Möchtegern-Pornostars vom Geek bis zum Schönling. Sie werden gebeten, für die Frauen zu strippen und über ihre speziellen Talente zu sprechen. Der Höhepunkt des Films ist, wenn die Regisseurin ein paar auserwählte, schöne Männer gleichzeitig „probefährt“. Dies wird aber nicht zum üblichen Mainstreamporno-Gang-Bang-Szenario, vielmehr ist es die Frau, die die Aufmerksamkeit in allen Einstellungen auf sich zieht. Und alle Männer sind gierig danach, sie zu befriedigen und respektieren und verehren sie wie eine Bienenkönigin. Es ist ein wirklich starker Film, der mit Pornoklischees spielt, Männern erlaubt, zum Objekt der Begierde zu werden und Frauen bestärkt, Voyeure und vergnügungshungrig zu sein. Ich werde definitiv Ausschnitte daraus in meiner Dokumentation über Porno aus einer weiblichen Perspektive zeigen, an der ich derzeit arbeite. Ich habe grade 100 Kassetten digitalisiert, die ich über die letzten 12 Monate gekauft habe und freue mich wirklich darauf, eine starke Dokumentation zu schaffen, die Licht auf die weiblichen Fantasien, Lüste und Wünsche wirft. Behaltet diese Seiten also im Auge.

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