Monthly Archives: September 2009

We are family!

PorYes

Mit großer Freude habe ich die Einladung zum “Poryes”-Event in Berlin empfangen. Dieses Event wird von der sex-positiven Aktivistin Dr. Laura Meritt und ihrem Team organisiert und ist der erste feministische Pornopreis in Europa. Auf der Preisverleihung und dem große Fest werden Pionierinnen des feministischen Pornos gefeiert. Meine lieben Freundinnen Candida Royalle, Maria Beatty und Annie Sprinkle werden einen Preis erhalten, ebenso ich selbst und Shine Louise Houston aus Amerika, die ich bislang noch nicht kennen gelernt habe. Es ist natürlich symbolisch, dass der Preis während der Venus-Messe verliehen wird – Europas größter Erotikfachmesse -, die noch immer fest in Männerhänden ist und fast exklusiv Männer und ihre Wünsche bedient. In dieser Welt, in der so ziemlich jede Frau noch immer auf ein Objekt reduziert wird, ist es schwer, als Künstlerin oder Geschäftsfrau ernst genommen zu werden. Aber manchmal wertschätzen noch nicht einmal Frauen und Feministinnen unsere Anstrengungen, weibliche Fantasien auszudrücken und ein etwas akkurateres und menschlicheres Bild (weiblicher) Sexualität zu zeichnen.

Vor nur zwei Jahren schrieb die deutsche feministische Zeitung “Emma”: “Porno für Frauen ist ein Mythos.” Dem ist nicht so. Ich war selbst in der Anti-Porno-Bewegung der Achtziger sehr aktiv. Mir gefallen auch noch immer nicht die meisten der menschenverachtenden Pornos, die ich sehe, aber die Zeit ist gekommen, gehört und gesehen zu werden, indem man Alternativen schafft anstatt die Schaffung von Erotikfilmen exklusiv in männlicher Hand zu belassen.

Als Frau und Feministin fühlt es sich gut an, von anderen Feministinnen gefeiert zu werden, die es schätzen, was wir tun, um Frauen zu inspirieren und zu bestärken. Feministin zu sein bedeutet nicht mehr, gegen jede Art von Porno zu sein, sondern die Filme zu begrüßen, die genuin weibliche Sexualität porträtieren, die die Grenzen der Darstellerinnen respektieren und Safer Sex anpreisen.

“Poryes” sagt “Ja” zu befreitem, von Frauen gemachten Pornos, die gewissen Kriterien entsprechen. Und es tut gut, “Ja” zu sagen statt immer nur “Nein”. Es gibt uns die Wahl, und wählen zu können ist ermächtigend. Wir können es nehmen oder lassen, anstatt nur ausgeschlossen zu sein.

Ich habe mir kürzlich das Stück “Sister Sledge” angesehen, und die Hymne klingt noch in meinem Kopf: “We are family, I got all my sisters with me!”. Und genau so fühlt es sich grade an: Wir verbinden uns und schaffen weltweite Netzwerke: Die Filmemacherinnen, Darstellerinnen, Sexshop-Besitzerinnen und Sexual-Lehrerinnen. Lange Zeit war uns Amerika voraus. Jetzt holt es Europa ein. Schnell. Und zusammen sind wir unaufhaltbar. We are familiy!

Für weitere Informationen über “Poryes” und Tickets für das fantastische Event, schaut hier: http://www.poryes.de/

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A taste of Vienna

Petra Joy on the Vienna Panel

Ich komme soeben aus Wien zurück, wo ich an der Podiumsdiskussion über „Pornos für Frauen“ teilgenommen habe. Ich war mir nicht sicher, wie das in Wien ablaufen würde, da es den Ruf hat, ziemlich konservativ zu sein. Aber die Veranstaltung war in einem ausverkauften, recht noblem Nachtclub. Tatsächlich gab es einen so starken Bedarf nach Last-Minute-Tickets, dass der Veranstalter sagte: „… nächstes Mal mieten wir die Stadthalle!”

Vor der Podiumsdiskussion beamten sie einen meiner Trailer auf die gewaltige Leinwand, und obwohl ich meine Filme eine Million Mal gesehen habe, gibt es mir immer noch einen Kick, sie einem neuen Publikum zu zeigen, die keine Ahnung haben, was sie erwarten sollen. Die Reaktionen waren positiv – viele überraschte, aber auch lächelnde und glückliche Gesichter und Applaus.

Die anderen Diskussionsteilnehmer/innen waren Laura Meritt von Sexklusivitäten in Berlin, die sexy Komödiantin Barbara Bellini, Dr. Georg Pfau und Judit Rabenstein, die in Wien den gehobenen Sexshop Magnolias betreibt und das Event initiiert hatte.

Mir gefiel, dass Dr. Pfau meine Theorie bestätigte, dass Frauen „Guy Candy“ lieben und Männern gerne beim Rummachen zusehen. Er stimmte mir zu, dass Männer für Hetero-Frauen das Objekt der Begierde sind und dass es eine der Hauptfantasien ist, zwei, drei oder mehr von ihnen interagieren zu sehen – genau wie für Hetero-Männer, die gerne Frauen miteinander spielen sehen … eine Tatsache, die der Mainstream-Porno von Männern und für Männer immer bedient hat.

Laura wies darauf hin, dass alternative Pornos zu schauen unserer sonst manchmal eingeschränkten Wahrnehmung Türen öffnen und uns zeigen kann, wer wir sind und was wir mögen, uns eine neue sexuelle Orientierung ermöglichen und Techniken zeigen kann, die wir uns normalerweise nicht erlauben zu sehen oder auszuleben.

Frau Bellini fragte mich, ob ich auch Prostata-Stimulation zeige und war erleichtert, dass ich das tue. Nun möchte sie einige Clips meiner Filme während ihrer Stand-Up-Auftritte zeigen.

Judith erklärte, dass die Nachfrage an Erotikfilmen, die sich Paare gemeinsam ansehen können oder die Frauen antörnen, stetig steigt.

Wir stimmten also überein, dass wir viel aufzuholen haben und neugierig auf weitere Filme sind, die uns Erotika aus einer weiblichen Perspektive zeigen. Leider war anschließend keine Zeit mehr für Zuschauerfragen, aber ich habe mich noch gut mit einem Paar unterhalten, die sagten, dass sie keine Filme ohne Handlung und Dialoge mögen und schlechte Schauspielerei in Pornos ebenso hassen wie die Tatsache, dass der Sex in den Filmen mit guten Darstellern immer soft ist. Ich habe ihnen empfohlen, ihren eigenen kleinen Film zu drehen – sich zu verkleiden, Rollen zu spielen und sich überraschen zu lassen, ihre eigenen Gesichter in Ekstase auf dem Bildschirm zu sehen – vermutlich zum ersten Mal. Es kann sehr ermutigend sein, die Architektin und das Objekt seiner eigenen Sehnsüchte auf Film gebannt zu sein.

Ich habe Wien in einem Zustand der Hochstimmung verlassen – begründet auf dem Gefühl, dass wir wirklich angekommen sind. Pornos für Frauen werden nun weltweit produziert, angesehen und diskutiert. Das Genre ist gekommen, um zu bleiben – genau wie die Frauen, die sich ausdrücken und ihre Fantasien ausleben. Sisters are doing it!

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The art of “female ejaculation”

Petra Joy

Die weibliche Ejakulation hat mich schon immer fasziniert. Live habe ich sie erstmals auf dem Pornfilmfestival im letzten Jahr gesehen, während der Vorstellungen und dem Workshop der unglaublichen Wendy Delorme.

Wie so viele Frauen habe ich immer angenommen, dass nicht jede Frau ejakulieren kann – vielleicht eine von zehn.

Ich hätte falscher nicht liegen können.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail von Deborah Sundahl, deren Lebensaufgabe darin besteht, Frauen auf der ganzen Welt im Ejakulieren zu unterrichten und sie dazu zu ermutigen. Deborah wollte mich während ihrer nächsten Europareise treffen und schauen, ob wir zusammenarbeiten können. Sie schickte mir einige ihrer hervorragenden Videos, und zu meinem Erstaunen macht Deborah gleich im ersten Video, das ich ansah (Female Ejaculation – the workshop) klar, dass JEDE FRAU – wenn ihr G-Spot auf die richtige Art und Weise stimuliert wird – Ejakulationsflüssigkeit freigibt. Tatsache ist also: JEDE FRAU KANN EJAKULIEREN, WEIL JEDE FRAU EINEN G-SPOT HAT!

Der G-Spot ist die weibliche Prostata und das weibliche Ejakulat ist wie Prostataflüssigkeit, mit einer völlig anderen Konsistenz als Urin. Uns wird fälschlicherweise eingeredet, dass die „weibliche Ejakulatíon ein Mythos“ und „weibliches Ejakulat Urin“ sei.

Stimmt nicht.

Ich werde etwas von Deborahs Material und ein Interview mit ihr auf meiner nächsten Kompilation veröffentlichen, damit mehr Frauen herausfinden, wie sie einen völlig andersartigen und unglaublich intensiven Orgasmus haben können.

Ich bin stolz und froh, dass Deborah mich besuchen und einen sehr privaten Workshop nur für mich und meine Freundin abhalten wird – ich kann es gar nicht abwarten, euch alles davon zu erzählen und wie es gelaufen ist, also schaut bald wieder hier rein!

Für weitere Infos zu Deborah und weiblicher Ejakulation schaut hier: http://www.isismedia.org/

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The awards are approaching…

Petra Joy

Es freut mich, dass immer mehr tolle Filme eintreffen, die aus frischen Blickwinkeln zeigen, was Frauen erotisch finden. Ich bin froh darüber, dass es mir gelingt, Frauen dazu zu inspirieren, sich selbst auszudrücken. Es ist ein gewaltiger Schritt für Frauen, nicht bloß zu sagen „Ja, ich schaue Pornos!“ sondern einen Schritt weiter zu gehen und sogar ihren eigenen Film zu machen, ihn mit der Öffentlichkeit zu teilen und darüber zu sprechen.

Aber es ist kein reines Zuckerschlecken – mein Kurzfilmwettbewerb scheint auf einige empfindliche Füße getreten zu sein. Eine Firma drohte, mich für den Gebrauch des Namens „Joy Award“ zu verklagen, und da ich nicht die finanziellen Mittel habe, das im Gerichtssaal auszukämpfen, musste ich den „Joy Award“ in „Petra Joy Award“ umbenennen. Ich bin darüber nicht besonders glücklich, weil ich nicht will, dass sich das alles um mich, Petra Joy, dreht, sondern um die FREUDE (JOY) weiblicher Selbstdarstellung. Als mich dann aber die erste Rechnung meines Anwalts ein kleines Vermögen gekostet hatte, musste ich meinen Schaden begrenzen und nach vorne schauen – obwohl mir mein Anwalt versicherte, dass er diesen Fall gewinnen könnte, wenn ich bereit sei, beträchtlich mehr Geld und Zeit zu investieren. Einen Monat vor dem Event wir ich nicht bereit, irgendetwas zu riskieren, dass das Event gefährden könnte. So ist es jetzt halt der „Petra Joy Award“.

Weitere Probleme kamen von unerwarteter Seite:

Ich wurde von einigen Frauen kritisiert, die eigentlich für die gleichen Dinge kämpfen wie ich, weil ich mein Event zeitlich schlecht gelegt hätte und ihnen Öffentlichkeit von ihrem Event stehlen würde. Ich war über diese Anschuldigung geschockt und schlug denselben Frauen vor, unsere Kräfte zu vereinen und ein gemeinsames Event zu schaffen. Mein Angebot wurde abgelehnt. Mein Standpunkt ist: Je mehr, desto besser. Je mehr von uns Dinge sagen und tun, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir gehört und gesehen werden. Desto wahrscheinlicher ist es, dass die Leute verstehen, dass wir kein kurzzeitiges Phänomen sind, sondern gekommen sind, um zu bleiben. Frauen wollen Pornos aus weiblicher Perspektive und dieses Verlangen wird nicht weggehen.

Manchmal kann es frustrierend sein, wenn ich mich von verschiedenen Seiten attackiert fühle und mich frage, warum ich das überhaupt alles mache – ein uneigennütziges Event, um neue Filmemacherinnen zu coachen. Dann bekomme ich aber eine E-Mail wie diese hier, die alles wieder wett macht. Sarah, die grade einen Film (ihren ersten) für den Wettbewerb fertig gestellt hat, schrieb mir:

„Was auch immer bei diesen Bemühungen herauskommt, ich wollte dir nur sagen, wie viel Spaß es mir gemacht hat! Dieses Jahr im Juni bin ich überhaupt zum ersten Mal gefilmt worden, und so war es alles etwas beängstigend, aber ich mag Herausforderungen! Wir haben über eine Stunde herausgeschnittene Szenen und mussten alles in zwei Sessions filmen. Ich hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit in diesen Dingen steckt und auch nicht, wie unglamourös es sein kann … und wir sind nur Amateure! Sollte sich je die Gelegenheit bieten, würde ich liebend gerne mal kommen und zusehen, wie eine professionelle Produktion funktioniert!“

Ich kann es kaum erwarten, die Filme zu sichten und die Gewinnerinnen mit ihren Preisen auszuzeichnen, und natürlich mit dem Geldpreis gesponsert von pjur. Der beste Film wird außerdem auf „Her Porn, Volume 2“ zu sehen sein, und kurze Ausschnitte werdet ihr auf der Webseite www.joyawards.com finden.

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“The Joy Of Porn” is ready!

Petra Joy

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier war, um meine Erlebnisse mit euch zu teilen. Ich war einfach so beschäftigt, dass ich gar nicht mehr grade denken konnte. Seit ich in der deutschen „Marie Claire“ genannt wurde, war das Medieninteresse gewaltig. Viele Tage habe ich damit verbracht, mit Fernsehproduzenten zu sprechen und Presseinterviews zu geben … Aber letztes Wochenende habe ich eine kleine Pause in einem ganzheitlichen Spa gemacht und jetzt bin ich zurück – bereit, einige Gedanken mit euch zu teilen.

Nach vier Monaten Arbeit ist meine Dokumentation „The Joy of Porn“ endlich fertig. Ich habe es geschafft, 150 Stunden an Material, das ich über die letzten drei Jahre gedreht hatte, auf eine Stunde meiner persönlichen Reise als feministische Pornografin zu kondensieren.

Es war eine seltsame Erfahrung, einen Film über mich selbst, meine Alliierten und meine Botschaft zu schneiden. Normalerweise arbeite ich strikt hinter der Kamera, und das gilt für meine Arbeit beim Fernsehen genauso wie für meine Arbeit als Erotik-Regisseurin. Aber irgendwo spürte ich, dass diese Geschichte über die Stärkung der Frauen und die Freundschaften, die es geschafft haben, die Erotikindustrie und die öffentliche Wahrnehmung von Pornos zu verändern, es wert ist, erzählt zu werden.

Das meiste Material ist wie „Mäuschen spielen“ und wurde von meinem Partner und meinen Freund/innen gefilmt – wer immer grade die Hände frei hatte, bekam die Kamera, um zu filmen, was passierte. Bei manchen Abenteuern filmten Violetta (die in meinen Filmen mitspielt) und ich uns gegenseitig, weil wir es uns noch nicht leisten konnten, dass jemand mit uns reist, nur um uns zu filmen. Aber auf diesem Weg bekamen wir sehr intimes Material, das ein Fernseh-Team so nicht hinbekommen hätte.

Am Donnerstagabend werde ich für all die liebenswerten Leute eine Party schmeißen, die die Jahre über mit mir gearbeitet haben. Es ist der 5. Geburtstag von „Strawberry Seductress“, meiner Produktionsfirma, und das werden wir mit Sekt, Canapés und der Privatvorführung von „The Joy of Porn“ feiern.

Ich bin deswegen sehr nervös – viel mehr als wenn ich einen anderen Erotikfilm gedreht hätte, da dieser Film sehr persönlich ist und mir sehr am Herzen liegt.

Allerdings wird es ein großer Spaß sein, alle für eine große Feier zusammen zu bringen, denn es ist schon eine Weile her, dass wir alles zusammen gefeiert haben. Die offizielle Weltpremiere wird am 14.10.2009 um 23 Uhr im Moviemento-Kino in Berlin stattfinden. Mehr Infos unter: www.pornfilmfestivalberlin.de

Ich bin noch nicht sicher, wo dieser Film erhältlich sein wird, aber es wird auf der Neuigkeiten-Seite bald einen Trailer geben.

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