Monthly Archives: Oktober 2009

Adventures in Berlin

Petra Joy

Ich bin frisch zurück aus zwei vollgepackten Wochen in Berlin. Dort hab ich die Venus-Fachmesse und das 4. Pornfilmfestival besucht, den Poryes Award gewonnen und den Petra Joy Award verliehen und wurde rund um die Uhr von unzähligen TV-Teams begleitet.

Es war zwar alles sehr aufregend, aber auch sehr anstrengend, weil ich kein Nacht mehr als fünf Stunden Schlaf bekommen habe. Nur Arbeit, kaum Freizeit – es war komisch, so viel nette Einladungen auf eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein ausschlagen zu müssen, weil ich einfach keine Zeit zum Plaudern hatte … Lasst mich euch von den neuen und aufregenden Ereignissen und Begegnungen erzählen, die mich inspiriert haben:

Zum ersten Mal überhaupt gab es auf der Venus (größte Erotikmesse in Europa) einen „Ladies only“-Bereich, wo Männer strippten. Es war zwar nur ein kleiner, abgesperrter Bereich, und die 15-minütige Show war nur zweimal am Tag, aber es war ein Anfang. Der Showroom war gepackt mit gespannten Frauen, die die Akrobatik und den kompletten Strip der attraktiven Männer genossen. Leider sind Frauen immer noch sehr schüchtern in ihrem Genuss dabei, „Guy Candy“ anzusehen, und es war richtig schwer für mich, Frauen zu finden, die bereit waren, vor der Kamera mit mir über ihren Genuss dabei zu sprechen, einen Mann strippen zu sehen. Es scheint mir, dass sich viele von uns noch immer wegen unseres Voyeurismus schämen. Ich hoffe, dass das vorbei geht und wir eines Tages in der Lage sind, ohne Angst oder Scham darüber zu sprechen, was uns anmacht. Es ist gut, dass die Industrie endlich realisiert, dass auch Frauen Voyeure sind, und ich hoffe, dass schließlich überall auf der Welt solche Events stattfinden werden. Diese Shows waren das einzig Aufregende für mich auf der Venus. Ich habe keine neuen Toys gefunden und war ziemlich geschockt, dass – neben den Schönheitschirurgen, die ihre Brustvergrößerungen anpriesen – ein Schönheitschirurg dieses Jahr Labialverengungen bewarb. Er verteilte Rosen an die vorübergehenden Frauen, als ob er sagen wollte: „Hier, nimm eine Rose und kaufe eine Designer-Vagina – kümmere dich nicht wegen der Schmerzen“. Ich bin mir völlig im Klaren über den Einfluss, den geklonte Teenager-Vaginas, die man in den Pornos sieht, auf Frauen haben, die fälschlicherweise der Meinung sind, dass ihre Pussy nicht schön genug sei. Das macht mich traurig. Ich bin total für Abwechslung und finde diese fleischigen Vaginas persönlich viel weiblicher und sexier als winzige Teenager-Pussys.

Petra Joy and Candida Royalle

Es war ein netter Kontrast zur Venus-Messe, die hauptsächlich Männer bedient, als ich einen Abend nach der Show andere weibliche Erotik-Unternehmerinnen bei der Plastixx-Dildofabrik getroffen habe. Das ist ein jährliches Netzwerk-Event, das die Dildo-Designerin Stephanie Dörr organisiert. Jedes Jahr kommen mehr Frauen, die Erotik-Toys, -Filme, -Zeitschriften oder –Bücher produzieren oder verkaufen, um mit anderen Frauen zu netzwerken und Ideen auszutauschen. In der Nacht darauf war es mir eine Ehre, andere gleichgesinnte Frauen beim europäischen Poryes-Event zu treffen, wo meine Freundinnen Candida Royalle, Maria Beatty, Annie Sprinkle und Shine Louise Houston und ich für unsere Filme mit einer Trophäe in Form einer riesigen, glitzernden Auster ausgezeichnet wurden. Es war wundervoll, dass wir alle zusammengekommen waren, um uns gegenseitig, unsere Arbeit und vor allem die Befreiung weiblicher Sexualität und Freuden zu feiern. Es war nett, den Kontakt zu Candida und Maria wieder aufzufrischen, die ich eine Weile nicht gesehen hatte, und Candida und ich haben den nächsten Abend mit einer Girls-Night verbracht, mit einer Flasche Sekt und einem wundervollen Ideenaustausch. Ich bin so froh, Candida zu meinen engsten Freundinnen zählen zu können – ihre Unterstützung gibt mir Kraft und baut mich auf, wenn ich es am meisten brauche. Es ist außerdem sehr aufregend, dass Candida meinen Film „Feeling it!“ unter ihrem Label Femme Productions in Amerika veröffentlichen wird, und ich danke ihr dafür.

In der nächsten Woche sind wir zum Pornfilmfestival gegangen – meinem vierten und Candidas erstem. Der Eröffnungsfilm „The Band“ von Anna Brownfield, einer talentierten australischen Filmemacherin war der Hammer – es war eine Rock’n’Roll-Komödie mit vielen kreativen expliziten Sexszenen (inklusive eines männlichen Transvestiten-Rockstars und einer Frau, die einen Kerl mit einem Strap-On gefickt hat). Ich bin froh, dass es zwischen Anna und mir gleich geklickt hat und ich eine ihrer Szenen in meiner nächsten Veröffentlichung „Her Porn, Volume 2“ zeigen werde. Es passiert wirklich grade auf der ganzen Welt: Frauen stellen sich hinter die Kamera und zeigen der Welt, was sie anmacht! Dieses Jahr wurden 40 % der Filme auf dem Pornfilmfestival von Frauen gedreht, das ist echt fantastisch!

Leider war es mir nicht möglich, so viele Filme wie im letzten Jahr zu schauen, irgendwelche Workshops zu machen oder zu all den großartigen Partys zu gehen, weil ich massig TV-Teams im Schlepptau hatte, die meine Arbeit und die Vorbereitungen für die Petra Joy Awards usw. dokumentierten. Ich weiß, es klingt glamourös, ist es aber nicht – es ist harte Arbeit, Dinge für die Kamera immer und immer wieder zu machen und immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen (die erste ist immer „Worin unterscheiden sich Ihre Filme vom Mainstream-Porno?“). Es kickt mich nicht, im Fernsehen zu sein. Ich bin ein privater Mensch und genieße wirklich die Zeit außerhalb des Rampenlichts, wenn ich an meinem örtlichen Strand spaziere oder in meinem Garten töpfere. Aber ich darf mich nicht beschweren – da es illegal ist, für Pornos zu werben, ist diese Art der Öffentlichkeitsarbeit essenziell dafür, Frauen meine Filme bekannt zu machen und die Botschaft zu verbreiten, dass es endlich Filme gibt, die weibliche Fantasien zeigen. Aber in den nächsten paar Monaten werde ich eine Pause von all dem Medienrummel einlegen – ich sehne mich einfach nach einigen Erlebnissen ohne dass Kameras jeden einzelnen Moment davon aufzeichnen und dokumentieren. Keine TV-Shows bis nächstes Jahr (ich habe heute bereits einer Produktionsfirma abgesagt).

Petra Joy and the Poryes winners

Auf dem Pornfilmfestival gab es dieses Jahr drei Trends: 1. Immer mehr Filmemacher lehnen den knackig-klaren HD-Look ab und bevorzugen das körnige und kantige Material, das mit Handykameras oder Webcams gedreht wird. 2. Musik und Geräuschkulissen sind wirklich wichtig geworden. Viele Filme benutzen eigens komponierte Musik und komplizierte Sound-Effekte, die den Film auf aufregende Art und Weise unterstützen (wir sind inzwischen weit entfernt von schlecht synchronisierten Pornos und kitschiger Fahrstuhlmusik). Es gab massig Filme mit Bands und Rockmusik – „Rock Porno’ scheint das neueste alternative Pornogenre zu sein. 3. Wir sehen abwechslungsreichere Darstellungen männlicher Sexualität in „Hetero“-Filmen – die Prostata ist kein Tabu mehr, und Strap-on-Action oder Cross-Dressing werden nebenbei als Teil einer abwechslungsreichen Sexlandschaft in die Filme eingebaut.

Außerdem war es interessant zu beobachten, wie viele Filmemacherinnen jetzt die weibliche Pornorevolution dokumentieren: Ovidi und Anna Brownfield haben mich interviewt und ich interviewte Shine Louise Houston und Anna Brownfield. Alle arbeiten an ihrer eigenen Dokumentation über Pornos für Frauen und machen das Thema damit für immer mehr Menschen zugänglich.

Das Pornfilmfestival war ein riesiger Erfolg und die Kinos waren grundsätzlich ausverkauft. Es war so ein Kribbeln in der Luft und es war fantastisch, einige der 140 anwesenden Filmemacher/innen kennen zu lernen. Wir sind eine internationale Pornofamilie geworden – wir inspirieren und unterstützen uns gegenseitig. Ich kann’s kaum erwarten, nächstes Jahr nach Berlin zurückzukehren, hoffentlich nicht nur für das Pornfilmfestival sondern auch, um einen neuen Film zu drehen – wenn ich das Geld zusammen bekomme …

Ein großer Teil des Pornfilmfestivals hat für mich dieses Jahr der Preis ausgemacht, den ich den Gewinnerinnen meines Amateur-Erotikfilm-Wettbewerbs für Frauen verliehen habe. Weil das aber so groß war und so viele aufregende Dinge passiert sind, werde ich einen eigenen Blogeintrag nur über den Petra Joy Award schreiben – also lest weiter …

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And the winners are…

Petra Joy

Nach vier Monaten voller Probleme und Sorgen rund um den Petra Joy Award (ich werde euch nicht mit Details davon langweilen, was alles schiefgelaufen ist), sind die vier Gewinnerinnen im ausverkauften Moviemento-Kino in Berlin ausgezeichnet und gefeiert worden. Wir hatten viele eindrucksvolle Einsendungen aus aller Welt, und die Jury hat lange und heftig darüber diskutiert, wer den Preis bekommen soll, weil alle Filme auf ihre Art außergewöhnlich waren.

Die Gewinnerinnen sind Louise Lush (erster Platz), Lola Clavo (zweiter Platz), Linsey Satterthwaite (dritter Platz) und Cora Emens (besonderer Preis der Jury).

Obwohl der kreative Stil der Filme unterschiedlich war, gab es einige Ähnlichkeiten in den Filmen: Ein hervorstechendes Element vieler Filme war der Ausdruck davon, was Frauen im Bett wollen: Der erste und dritte Platz („That’s what I like“ und „I like it when“) drücken beide visuell und verbal aus, was einige Frauen anmacht. Die allgemeine Botschaft lautet: Die Scham ist vorbei – Frauen können jetzt frei in der Öffentlichkeit darüber sprechen, was sie sich sexuell wünschen, indem sie einen Film über weiblichen sexuellen Genuss machen. Einige Filmemacherinnen wie Linsey Satterthwaite und Cora Emens haben sich entschieden, nicht nur Regie zu führen sondern in ihren Filmen auch vor der Kamera mitzuspielen – eine Erfahrung, die beide Frauen als extrem bestärkend empfanden.

Die Gewinnerin des zweiten Preises, Lola Clavo, hat Sex und Liebe in ihrem Experimentalfilm „La Lucha“ als Kräftespiel dargestellt – mit leicht verschwommenen Bildern und einer beeindruckenden Geräuschkulisse.

Petra Joy

Der besondere Preis der Jury ging an „Cora’s memoir – the rose“, für die furchtlose und lustige Darstellung einer sehr persönlichen erotischen Erinnerung der Regisseurin, die in dem Film auch mitgespielt hat. In einer alternden Gesellschaft zeigt der Film, dass es ein lustvolles und freudvolles Sexleben für Frauen über 50 gibt.

Bevor wir zu den Kinovorführungen der Filme und der Preisverleihung übergegangen sind, habe ich für alle Gewinnerinnen und ihre Partner eine kleine Party geschmissen, und alle Mädels wurden von einem Profi geschminkt. Da ich beim Kuchen gerne den Zuckerguss und die Verzierung oben drauf mag, habe ich als Überraschung für die Mädels kurzerhand noch eine Stretch-Limo gemietet, um sie nach einer Tour durch Berlin stilvoll zum Kino zu bringen.

Es war so ein tolles Gefühl, als wir uns in der Limo mit Sekt zugeprostet haben – ein Gefühl der Schwesterlichkeit von Frauen, die zusammenkommen, um ihr Sexualität zu zelebrieren und ihre Vision lieber mit der Welt teilen als sich zu verstecken. Ich hoffe, dass das für die Gewinnerinnen und auch für mich eine Nacht war, die uns in Erinnerung bleiben wird.

Es herrschte ein herrlicher Trubel, als wir am Kino ankamen, überall waren so viele Leute und Pressemenschen – es hat mich nur etwas gestresst, dass es so viele Kameras gab. Für mich war das ein sehr persönliches Event, und ich wollte, dass es die Leute, die sich Tickets gekauft hatten und die Filmemacher/innen selbst in einer entspannten Atmosphäre genießen konnten … Ich wusste bei den meisten Kameras nicht, zu wem sie gehörten, und hatte befürchtet, dass die Leute das Event als Medienzirkus wahrnehmen, wo es doch als revolutionäres Graswurzel-Event gemeint war, das neue weibliche Talente feiert und fördert. Schlimm genug, dass ich wegen eines Rechtsstreits mit einer deutschen Zeitschrift, die das Copyright auf den Begriff „Joy“ hat, meine Auszeichnung in „Petra Joy Award“ umbenennen musste, was mehr Aufmerksamkeit auf mich zog als mir lieb war. Ich habe diesen Wettbewerb veranstaltet, um den Fokus auf neue, aufstrebende Talente zu richten. Es geht um die Freuden des Gebens, etwas an andere Frauen weitergeben zu können, nicht darum, meine eigene Vision wieder und wieder zu veröffentlichen.

Petra Joy

Für mich war dieser Abend das Highlight meiner Karriere als Erotikfilm-Regisseurin. Vor fünf Jahren habe ich mich aufgemacht und mit einigen Freunden und einer Kamera in meinem Schlafzimmer meinen ersten Film gedreht – ein paar preisgekrönte Filme, ein Buch, eine Film-Kompilation, eine Dokumentation und viele Workshops später bin ich endlich in der Lage, den Staffelstab an die nächste Generation von Erotikfilm-Regisseurinnen weiterzureichen. Ich bin wirklich stolz, dass ich diese Frauen inspirieren konnte, und hoffe, ein Katalysator für viele weitere Filme zu sein. Es ist ein großartiges Gefühl, dass das Genre „Pornos für Frauen“ in Europa weiterhin existieren wird – selbst wenn ich niemals einen weiteren Film drehen würde. Wir haben es geschafft – Frauen finden ihre visuelle Sprache und drücken all ihre unterschiedlichen Fantasien in Filmen aus. Ich bin so froh, dass ich meine Träume umgesetzt habe und hoffe, dass es mir viele Frauen gleichtun. Walt Disney pflegte zu sagen: „Wenn du es träumen kannst, kannst du es machen!“; ich sage: „Wenn du es träumen kannst, kannst du es drehen!“.

Alle Gewinnerfilme werden auf meiner Kompilation „Her Porn, Volume 2“ veröffentlicht, die im Frühling 2010 erscheint. Auf www.joyawards.com könnt ihr mehr über die Gewinnerinnen und ihre Filme lesen und Clips der Gewinnerinnen ansehen.

P.S.: Nachdem ich auf dem Event gesagt hatte, dass ich mich jetzt auf ein anderes Thema konzentrieren möchte, das mir sehr am Herzen liegt – der Umwelt – anstatt ausschließlich auf „Pornos für Frauen“, ist die Gerüchteküche hochgekocht, dass dies mein Abschied sei und ich nie wieder einen Erotikfilm drehen würde. Das stimmt nicht. Ich würde liebend gern einen weiteren Erotikfilm drehen und hoffe, ihn finanzieren zu können. Da es aber momentan so viele andere talentierte Frauen gibt, die Pornos für Frauen machen, ist es o.k. für mich, breiter zu fächern, wofür ich mein Talent verwende!

Schließlich möchte ich diese Gelegenheit nutzen, allen einreichenden Filmemacherinnen zu danken, ebenso meinem Sponsor pjur und dem Pornfilmfestival Berlin dafür, dass es unser Gastgeber war.

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