Monthly Archives: Dezember 2009

Looking back with gratitude and ahead with joy

Happy Xmas

Es war ein tolles Jahr für Frauenpornos. Ich bin froh, dass ich auf verschiedene Weise etwas für den Durchbruch des Genres in Europa beisteuern konnte. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich die erste feministische Porno-Kompilation überhaupt veröffentlich habe, „Her Porn, Volume 1“, die ein riesiger Erfolg war. Durch das Kuratieren dieser aufregenden Zusammenstellung sind viele fantastische Freundschaften mit anderen Filmemacherinnen entstanden.

Ich bin dankbar, dass ich die talentierte Königin des Frauenpornos, Candida Royalle, die kreative Großmeisterin des „Porn noir“, Maria Beatty, und die inspirierende Marianna Beck zu meinen Freundinnen zählen darf.

Ein persönlicher Meilenstein war für mich, mir den Weg durch 150 Stunden Backstage-Material zu bahnen, das ich über die letzten drei Jahre gedreht hatte, um meine eigene, ganz persönliche Dokumentation „The Joy of Porn“ zusammenzustellen, die beim Pornfilmfest in Berlin uraufgeführt wurde. Es tat gut, zurückzuschauen und mir bewusst zu machen, wie weit man es bringen kann, wenn man an seine Träume glaubt und alles dafür tut, um sie wahr werden zu lassen. Es dreht sich aber nicht alles nur um mich, meine FreundInnen und die DarstellerInnen meiner Filme und unsere Träume und Fantasien, denn 2009 war das Jahr, in dem ich mit dem „Petra Joy Award“ aktiv als Mentorin für neue Filmemacherinnen anfing. Ich möchte all den bezaubernden Frauen danken, die ihre Erotikfilme für meinen allerersten Preis für neue Filmemacherinnen eingereicht haben, und ich gratuliere den talentierten Gewinnerinnen! Es war ein großes Vergnügen, euch kennen zu lernen, und euch dank der Unterstützung meines Sponsors pjur zu ermutigen, noch mehr Erotika aus Frauenperspektive zu drehen.

Es fühlt sich auch gut an, sich noch aktiver für den Vertrieb alternativer Pornos zu engagieren und meinen weiblichen Kolleginnen zu helfen, dass ihre Filme in Europa verkauft und gesehen werden. Ich vertreibe Marianna Becks Film „Free Love“ (der US-Titel war „Urban Friction“) über das Abenteuer, eine offene Beziehung zu genießen. Bislang wird außerdem „Dirty Diaries“, eine feministische Porno-Kompilation aus Schweden, von mir in allen deutschsprachigen Ländern vertrieben, und ich fühle mich geehrt, dass die Produzentinnen mir vertrauen, dieses aufregende Projekt in die Läden zu bringen.

Die Schwesternschaft wird größer und stärker – wir sind eine Kraft, mit der man rechnen muss. Wir inspirieren und unterstützen uns nicht nur gegenseitig als Filmemacherinnen, wir benutzen auch unsere Kontakte als Geschäftsfrauen, um tatsächlich ein weltweites, alternatives Vertriebssystem aufzubauen. Anstatt die Männer in Anzügen darüber entscheiden zu lassen, ob es unsere Filme in die Läden schaffen, verkaufen wir sie den Läden einfach selber. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Candida Royalle dafür zu danken, dass sie meinen Film „Feeling It!“ für mich in Amerika vertreibt.

Wir arbeiten nicht nur an unserem Frauennetzwerk und vertreiben gegenseitig unsere Filme, wir haben auch angefangen, unsere kreativen Errungenschaften zu feiern. Dieses Jahr fand der erste feministische Pornopreis Europas statt, PORYES, und für mich war das ein besonderes Event, weil ich zusammen mit anderen Filmemacherinnen ausgezeichnet wurde, die ich zu meinen Freundinnen zähle: Candida Royalle, Maria Beatty, Annie Sprinkle und Shine Louise Houston.

Auf privater Ebene hatten meine Zwergkaninchen dieses Jahr total niedliche und flauschige Babys, es war also ein rundherum fruchtbares Jahr!

Ich schaue 2010 mit Freude und Aufregung entgegen: Mit dem Input von weiteren neuen und aufstrebenden Erotik-Filmemacherinnen werde ich „Her Porn, Volume 2“ herausbringen. Ich freue mich auf meine Vorträge und Workshops, die ich (bislang) in Valencia und in Wien halten werde. Mithilfe eines Sponsors hoffe ich, einen weiteren Erotik-Kurzfilmwettbewerb zu organisieren und weitere talentierte Film-Debütantinnen auszeichnen zu können. Das Thema und die Preise sollen bald angekündigt werden – behaltet also www.joyawards.com im Auge.

Wenn alles gut läuft, werde ich außerdem mindestens einen neuen Film drehen – solange die Finanzierung das zulässt. Worum es geht, bleibt eine Überraschung. Nachdem wir zur besten Sendezeit in drei deutschen Fernsehprogrammen vorgestellt wurden, haben sich viele Frauen und Männer beworben, um in meinen Filmen mitzuspielen – es wird also aufregend sein, einige neue Gesichter für einen Film zu casten. Ich platze vor Ideen.

Ich hoffe außerdem, irgendwann in 2010 zum ersten Mal seit drei Jahren zwei Wochen Urlaub zu machen. Und da ich nun eine persönliche Assistentin habe, die liebenswerte Saskia, hoffe ich, dass das klappt. Es ist wunderbar, das Team wachsen zu sehen und mit Leuten zu arbeiten, die meine Vision teilen. Ich möchte mich bei meinem großartigen Grafikdesigner Ray bedanken, bei meinem Cutter Paul und meinem Webmeister Tony. Gut gemacht, Jungs – wir mögen Männer, die die sexuelle Befreiung der Frau und Pornos von und für Frauen unterstützen!

Ich danke euch allen, dass ihr mich unterstützt habt, indem ihr meinen Blog lest, mir schreibt, meine Filme kauft oder kreativ mit mir kooperiert! Für euch tue ich das alles, und es ist die ganze Mühe wert, wenn man fühlt, dass man anerkannt wird.

Ich hoffe, dass euch die friedliche Weihnachtsmagie sehr bald erreicht und wünsche euch ein aufregendes und erotisches, frohes und gesundes und erfolgreiches 2010. Habt Spaß!

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Moving Forward

Petra Joy

Ich fühle mich geehrt und gesegnet, dass ich meine Sexualität frei erforschen und ausdrücken kann.

Erotische Selbsterkundungen und sexuelle Genüsse sind zwar Menschenrechte, doch für viele Frauen, die nicht in der westlichen Welt leben, ist das noch immer ein unerreichbarer Luxus. Wieviele Frauen weltweit können noch nicht einmal daran denken, ihre sexuellen Wüsche frei auszusprechen und zu erforschen, weil ihre Grundrechte nicht gesichert sind? Diese Weihnachten möchte ich etwas daran ändern, indem ich eine Initiative unterstütze, die mir sehr am Herzen liegt. Ich spende einen Teil der Einnahmen meiner DVD-Verkäufe, um damit „The Foundation for Wome’s Health, Research and Development” (FORWARD) zu unterstützen, die sich dafür einsetzt, die weibliche Genitalverstümmelung (FGM, female genital mutilation) in Afrika und darüber hinaus zu beenden.

FGM wird von der “World Health Organization” als jene Prozeduren definiert, die die „teilweise oder komplette Entfernung der externen weiblichen Genitalien (Schamlippen und Klitoris) oder andere Verletzungen der weiblichen Genital-Organe“ beinhaltet. Etwa 138 Millionen Afrikanerinnen sind Opfer von FGM. Weil der Vorgang häufig von Menschen ohne medizinische Ausbildung und ohne Zugang zu Desinfizierungs- oder Betäubungsmitteln durchgeführt wird, können die Konsequenzen der traumatischen und schmerzhaften Prozedur lebensgefährlich sein. Infektionen, Urinaufstau, Verletzung der benachbarten Gewebe, plötzliche und tödliche starke Blutungen, Menstruationsbeschwerden und Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt sind nur einige der üblichen Folgen von FGM.

Hier eine persönliche Beschreibung der FGM von Waris Dirie, einer UNFP-Botschafterin des guten Willens und Sprecherin der FORWARD-Webseite: „Mama verband mir die Augen. Das nächste, was ich fühlte war, dass mein Fleisch weggeschnitten wurde. Ich hörte die Klinge hin und her sägen durch meine Haut. Die Schmerzen zwischen meinen Beinen waren so intensiv, dass ich wünschte, ich würde sterben.“

Obwohl unklar ist, wo dieser Brauch begann (vielleicht im alten Ägypten), wird er heute in großem Maße von ethnischen Minderheiten rund um die Welt betrieben. FGM wird oft als weiblicher Initiationsritus ins Erwachsenwerden durchgeführt, als Mittel der Reinigung, und um ihre Einbindung in eine Gemeinschaft zu kennzeichnen. FORWARD schätzt, dass jedes Jahr ca. 6.500 Mädchen im UK von FGM bedroht sind.

Es macht mich traurig, dass die Genitalien so vieler Frauen auf der ganzen Welt verstümmelt wurden und sie unter den schrecklichen medizinischen und psychologischen Konsequenzen leiden.

Abgesehen von den physischen und emotionalen Narben, die den Opfern zugefügt werden, verlieren diese Frauen das, was ich für ein menschliches Grundrecht halte: das Recht auf sexuellen Genuss und Befriedigung. Wie fühlt es sich an, wenn man um die Fähigkeit beraubt wird, beim Sex physischen Genuss zu spüren? Was sind die Implikationen für die Sexualität einer Frau, wenn ihre Genitalien ein Schauplatz der Folter waren? Die Botschaft, die dieser Akt an die Frauen sendet, muss die der totalen männlichen Dominanz sein, und scheint Sex nicht als Ausdruck des Genusses und der Fruchtbarkeit zu beschreiben sondern als einen Akt totaler weiblicher Unterwerfung. Eine gezwungene Unterwerfung unter ein Schönheitsideal, das Männern gefällt und ihren sexuellen Genuss erhöht.

Es ist bittere Ironie, dass viele westliche Frauen sich heutzutage ihre inneren und äußeren Schamlippen verkleinern lassen, um einem männlichen Schönheitsideal zu entsprechen, das durch Glamour-Fotografie und Pornos angepriesen wurde: winzige Teenage-Pussies, die „sauber“ und „unschuldig“ aussehen statt eines reifen weiblichen Sexual-Organs, das auf Kraft hindeutet.

Daher liebe ich Grit Scholz’ Buch: „Das Tor ins Leben” (www.das-tor-ins-leben.de), in dem sie alle möglichen Arten von Vaginas zelebriert, in ihrer vollen Entfaltung und unbeschnitten.

Gerne gebe ich etwas von meinem hart verdienten Geld an Frauen, die vaginal verstümmelt wurden, und helfe dadurch hoffentlich, einige weitere FGMs zu verhindern. Der Schlüssel ist Bildung. Sind die Konsequenzen bekannt und verstanden, glaube ich, dass es den Kulturen, die immer noch FGM praktizieren, leichter fallen wird, nach vorne zu blicken und neue Rituale für die weibliche Erwachsenwerdung zu erschaffen. Rituale, die das Tor ins Leben feiern und den Genuss, den es Frauen und Männern gleichermaßen bereiten kann.

Hier erfahren Sie mehr über FGM oder können Geld an FORWARD spenden: www.forwarduk.org.uk

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