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Die Petra Joy Awards 2012

Nach dem Erfolg des ersten Petra Joy Awards 2009 dauerte es etwas, bis ich meinen Nachwuchspreis für neue Erotikfilmemacherinnen erneut starten konnte. Mein Sponsor war abgesprungen, und es war schlicht nicht möglich, einen neuen zu finden. Verschiedene Firmen boten zwar Warenpreise an, wenn dafür ihr Firmenname flächendeckend neben dem Preis beworben werden würde, aber niemand war daran interessiert, das Preisgeld zu stiften.

Mir liegt mein Nachwuchspreis aber extrem am Herzen und ich wollte nicht aufgeben. Deshalb entschied ich mich, den Wettbewerb selber zu finanzieren und sparte das Preisgeld für die Gewinnerinnen über ein paar Jahre hinweg an. Ich erinnerte mich daran, wie sich mein eigenes Leben 2004 grundlegend verändert hatte, als sich Emma (eine Frau, die mich mit einem erotischen Fotoshooting zu ihrem 40. Geburtstag beauftragt hatte) entschloss, die Postproduktion von meinem erstem Erotikfilm, Sexual Sushi zu bezahlen, damit ich ihn endlich veröffentlichen konnte. Ohne Emmas Hilfe wäre Sexual Sushi vielleicht niemals in die Shops gekommen, und ich hätte wahrscheinlich weder den Mut noch das Budget gehabt, einen weiteren Erotikfilm zu drehen. Dass Emma an mich und meine Vision von Erotik aus weiblicher Sicht glaubte und sich daraufhin entschied etwas Geld in meinen Film zu investieren, veränderte mein Leben für immer. Ich werde ihr ewig dankbar sein und wir sind uns heute noch verbunden. Jetzt ist es an der Zeit, dass ich etwas von dem was Emma mir gab and andere Frauen weitergebe. Ich möchte Frauen dazu inspirieren, ihre Träume wahr werden zu lassen, ihre Fantasien auszudrücken und an sich zu glauben. Deshalb vergebe ich meinen mit Preisgeld dotierten Nachwuchspreis.

Die Ergebnisse dieses Kurzfilmwettbewerbs, der unter dem Motto „Female Fantasies“ stand, sind fantastisch: Kein Thema ist tabu: Ja, es gibt Frauen, die sich von einem Escort verwöhnen lassen! Ja, einigen Frauen gefällt es, in einem einvernehmlichen SM-Szenario dominiert zu werden! Ja, viele Frauen würden sich liebend gerne in dem Darkroom eines Schwulenclubs aufhalten und den Männern beim Rummachen zusehen. Und: ja, vielen von uns macht es Lust von einem Lover mit einer geschulten Zunge geleckt zu werden (wunderbar illustriert in dem sinnlichen Trickfilm Naked Love von Sara Koppel). Unsere Sexualität ist so farbenfroh wie ein Regenbogen…

Die positiven Reaktionen, die ich von den Gewinnerinnen des diesjährigen Preises erhalten habe, waren überwältigend. Alle Frauen fühlten sich durch ihren Gewinn geehrt, und es bedeutete ihnen unglaublich viel, dass ihre Arbeit Anerkennung gefunden hatte und sie dazu ermutigt wurden, ihre kreative Reise in die Welt der Erotikfilme fortzuführen.

Morgana, die für ihren autobiografischen Film Duty Bound den ersten Preis gewonnen hatte, in dem sie uns zeigt, wie sie eine lieblose Ehe hinter sich ließ, um ihre Fantasien auszuleben, schrieb mir:

„Als ich erstmals deine Webseite besuchte und vom Deinem Nachwuchspreis erfuhr, spürte ich sofort, dass du meine Gleichgesinnte bist, die mich dazu ermutigt, die Fesseln meiner Vergangenheit abzustreifen und mir erlaubt meine Stimme zu finden. Meine Stimme, die mein ganzes Leben danach schrie, gehört zu werden. Die Idee für meinen Film „Duty Bound“ entstand. Den PJ Award zu gewinnen und die unglaublichen Reaktionen der Jury auf den Film kommen mir immer noch surreal vor. Mit diesem Gewinn hoffe ich, andere gleichgesinnte und vorurteilsfreie Menschen zu treffen, die sich für Frauen und ihre Sexualität positiv engagieren und sie fördern.“

So eine E-Mail zu empfangen, berührt mich sehr. Wie toll, dass mein Kurzfilmwettbewerb für Morgana die Inspiration war, ihren aller-ersten Film zu drehen. Ein mutiger, autobiografischer Film, der andere Frauen ihre Sexualität ohne Schuldgefühle frei auszuleben. Und noch besser ist, dass der Gewinn des Preises sie dazu ermutigt, zukünftig weitere Erotik-Filme zu drehen. Das macht mich glücklich. Glücklicher, als wenn ich das Geld, das ich erspart hatte, für mich selbst ausgegeben hätte, anstatt es als Preisgeld für den Nachwuchspreis zu spenden. Manchmal heißt geben empfangen!

Morgana beendete ihre Mail mit den folgenden Zeilen:

„Ich möchte tanzen , wenn ich Annie Lennox & Aretha Franklin singen höre:

Sisters are doing it for themselves,
Standing on their own two feet,
And ringing on their own bells…”

Ich singe mit – seit den Achtzigern ist dies eins meiner Lieblingslieder, weil es gleichzeitig die weibliche Unabhängigkeit und Frauen-Freundschaft feiert. Und es scheint tatsächlich so, als würden durch die diesjährigen Awards neue Freundschaften und kreative Partnerschaften gedeihen.

Ich finde es toll, dass zwei der Gewinnerinnen-Filme, Corpuscle (von Exotica Loom) und Taken (von Gala Vanting und Aven Frey, die nun sensatefilms.com gegründet haben), von zwei Frauen in Teamwork produziert wurden. Sisters tuen es nicht nur, sondern tuen es gemeinsam. Weltweit entstehen immer mehr kreative Frauenteams, die in Filmen die weibliche Sexualität feiern und das ist fantastisch. Allen sexistischen Unkenrufen zum Trotz stehen wir nicht in eifersüchtiger Konkurrenz zueinander, sondern arbeiten gut und gerne zusammen.

Ein weiterer Trend in Erotikfilmen von Frauen zeigt, dass es Down Under wirklich heiß, heiß, heiß ist: Der diesjährige erste Preis, Duty Bound wurde in Australien produziert, genau wie der 2. Preis, Taken. Die gesetzlichen Restriktionen für das Produzieren und den Vertrieb von Pornos scheinen in Australien den gegensätzlichen Effekt von dem zu haben, was der Regierung vorschwebte: Pornos von Frauen schiessen wie köstliche wilde Pilze überall aus dem Boden. Es gibt eine ständig wachsende Community von Pornofilmerinnen, und besonders Melbourne scheint ein Hotspot für alternative Erotik zu sein. Australien ist natürlich das Land, das uns großartige VOD-Seiten wie beautiful agony beschert hat. Viele der Frauen, die vorher auf diesen Seiten performt haben, haben nun die Kamera selbst in die Hand genommen, um Filme über Sex zu drehen.

Schon jetzt kommunizieren die preisgekrönten Filmemacherinnen miteinander und planen, zusammen neue Filme zu drehen. Und man weiß ja nie – vielleicht fahre ich nächstes Jahr auch ins sonnige Melbourne, um mit Gala, Aven und Morgana zu kreativ zu kooperieren.

Wie wunderbar, dass wir über die Kontinente und Generatione hinweg verbunden sind. Zusammen wachsen wir. Zusammen verändern wir die Welt. Wort für Wort. Bild für Bild.

Mehr über die Filmeacherinnen und Auschnitte aus den preisgekrönten Filmen gibt es hier zu sehen.

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Petra Joy Nachwuchspreis 2012 – Die Gewinnerinnen

Wir freuen die Gewinnerinnen des 2. Petra Joy Awards bekannt zu geben. Sie können mehr über die Filmemacherinnen erfahren und Ausschnitte aus den preisgekrönten Filmen auf der Awards Winners Webseite sehen.

Wir bedanken uns herzlich bei all den talentierten Frauen, die Filme eingereicht haben und gratulieren den Gewinnerinnen. Petra und die Jury waren von der hohen künstlerischen Qualität der Filme sehr beeindruckt. Auch inhaltlich begeisterten uns die Filme, die alle auf ihre Art ganz unterschiedliche Frauenfantasien zelebrieren.

Die preisgekrönten Filme werden auf der Kompilation Her Porn Vol. 4, die im Februar 2013 erscheint veröffentlicht werden.

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