Monthly Archives: Mai 2015

Feministische Pornos vertreiben: Wer braucht noch die Klubs der alten Herren?

Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt in Großbritannien immer noch Klubs, zu denen nur Männer Zutritt genießen. Und dabei reden wir nicht nur von jeder Menge Golfklubs … Bis vor ein paar Jahren war auch die Pornobranche noch eine reine Männerdomäne, jedenfalls hinter der Kamera.

Als ich vor zehn Jahren versucht habe, meinen allerersten Erotikfilm „Sexual Sushi“ in die Läden zu bekommen, stieß ich auf eine Mauer männlichen Widerstands. Ich ging zu Europas größter Sexmesse, der Venus in Berlin, hatte meinen Palm Pilot in der Tasche und erfuhr bei jedem Geschäftstreffen die gleiche Reaktion: Irgendein selbstgefälliger Kerl in einem Anzug lachte mein Konzept des „Artcore“-Pornos aus. Die Typen begriffen es einfach nicht: ein Porno ohne große Pornostars, bei dem nicht einmal reihenweise männliche Orgasmen zu sehen waren? Ein alternativer Porno, der abstrakte, künstlerische Szenen zeigte, und ein ganz offensichtlich schwer verliebtes Paar, das viel authentischen Sex hatte und die Kamera glücklicherweise ganz vergessen konnte? Die Männer sahen mich an, als wäre ich ein Alien, bevor ihr Blick wieder zur nächsten Oben-ohne-Kellnerin oder einer der vielen Live-Sex-Shows um uns herum abschweifte. Ich kam mit leeren Händen nach Hause – kein Produktions- oder Vertriebsvertrag. Kein weiteres Interesse. Ich war als Kuriosität abgehakt worden.
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Weibliche Masturbation: Nicht immer das, was man erwarten würde …

Wank (Interior Door) - Sophie Crow, 2012Es ist wieder „Monat der Masturbation“ – hurra! Wie könnte man das Frühjahr besser begrüßen und sich auf den Sommer freuen, als mit einem ganzen Monat, der der Selbstbefriedigung gewidmet ist?

Petra und ich haben darüber gesprochen, wie man diesen Monat am besten feiert, und entschieden, dass das ein fantastischer Anlass ist – nachdem wir kürzlich das Thema „Männliche Masturbation in Pornos“ hatten – einige der individuelleren Methoden der weiblichen Selbstbefriedigung zu beleuchten. Die meisten Mainstreampornos zeigen zwar Frauen, die derart wild masturbieren, als würden sie Luftgitarre spielen, und dabei so in die Kamera starren, als wäre ihnen eine gute Performance wichtiger, als wirklich zu kommen, aber Petra hat mir Folgendes verraten:

„Alternative Pornos sind großartig, um neue Methoden der Dokumentation von Selbstbefriedigung zu zelebrieren. Es gibt eine legendäre Szene mit Annie Sprinkle, die einen „Hitachi Magic Wand“ benutzt und einen erschütternden Orgasmus erlebt, in ihrem Filmklassiker „Sluts and Goddesses“. Annie ist völlig in ihrer Selbstbefriedigung verloren und scheint vergessen zu haben, dass ein Film gedreht wird. Auch den bahnbrechenden Film „Orgasms – Faces of Ectasy“ liebe ich, er zeigt Frauen – und Männer – aller Altersklassen, die sich selbst Lust verschaffen, dabei sieht man aber ausschließlich ihre Gesichter, ungeschnitten. Die Bandbreite an Emotionen ist wunderschön, und einen so intimen Blick auf die Selbstbefriedigung anderer Menschen zu werfen, befreit und inspiriert ungemein.“

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Ohne Scham- und Schuldgefühle: Warum Cora Emens als 57-jährige Sex in einem feministischen Porno hatte

Cora Emens ist eine in Holland bekannte Sexpertin. Als 57-jaehrige entschied sie sich ihre Sexualität ohne Scham- oder Schuldgefühle ganz frei vor Petra’s Kamera auszuleben. Petra und Cora gestalteten gemeinsam die Szene „The Winner is“ für Petra’s Spielfilm „(S)he Comes“. Cora und Petra sind stolz, dass „(S)he Comes“ als Eröffnungsfilm des „Holy Fuck“ Filmfestivals in Amsterdam ausgewählt wurde und am 13.5. im Kino Filmhuis Cavia zu sehen ist. Hier ist ein aktuelles Interview mit Cora zu den Themen weibliche Sexualität über 50, Porno Klischees und warum sie sich entschied bei einem feministischen Porno ihre Lust frei auszuleben.

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Wenn Sie den Wert von Pornos zu schätzen wissen, bezahlen Sie bitte auch dafür!

Porn SaleKürzlich habe ich zufällig erfahren, dass ein holländischer Fernsehsender ohne mein Wissen oder mein Einverständnis Szenen aus meinem Film „(S)he Comes“ gezeigt hat. Ich war außer mir vor Wut. Ich habe selbst 20 Jahre fürs Fernsehen gearbeitet und weiß, dass alle visuellen Inhalte lizenziert werden müssen und dass dafür bezahlt werden muss, es sei denn, es handelt sich um ein „Zitat“. Ein Zitat kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel ein sehr kurzer Ausschnitt sein, der in einem Kino vorgeführt wird, wo man also nicht nur das Material auf der Leinwand sieht, sondern auch das Kino darum herum. Das war hier aber nicht der Fall – fast 30 Sekunden meines Materials wurden so gezeigt, dass sie den Bildschirm komplett füllten, und in einer Doku über Sex mit über Fünfzig, die nur etwas über drei Minuten lang war, war das ein signifikanter Teil der Sendung.

Ich kontaktierte meinen Uhrberrechtsanwalt, der mir bestätigte, dass (S)he Comes in der Tat mein „geistiges Eigentum“ ist und es eine erhebliche Verletzung des Urheberrechts darstellte, Inhalte daraus ohne meine Erlaubnis auszustrahlen. Der Fernsehsender hätte mich erstens um meine Erlaubnis bitten und zweitens einen Lizenzvertrag aufsetzen müssen, der die Bedingungen für diese Lizenz klar festgelegt hätte, und natürlich hätten sie mich bezahlen müssen. Tatsächlich haben sie es nicht einmal für nötig befunden, mir eine E-Mail zu schicken, um mich um eine Lizenz zu bitten. Ich kann mir nur vorstellen, dass das bedeutet, dass sie annahmen, dass ich es sowieso nie herausfinden würde, und dass für Pornos andere Regeln als für anderes Material gelten. Nachdem Websites wie YouPorn und PornHub aufblühen, gelten Pornos jetzt weithin als „kostenlos für alle“.
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